Abdullah und Klestil besorgt über Spirale der Gewalt in Nahost

8. Mai 2001, 14:26
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Jordanischer König: "Diese Situation muss ein Ende nehmen"

Wien - Der jordanische König Abdullah II. und Bundespräsident Thomas Klestil haben am Dienstag nach einem Meinungsaustausch in Wien ihre große Besorgnis über die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten zum Ausdruck gebracht. "Die derzeitige Situation muss ein Ende nehmen", sagte der Monarch nach der Unterredung in der Hofburg. Klestil begrüßte die jüngste jordanisch-ägyptische Friedensinitiative als "echte Chance" zur Überwindung des Stillstands im Nahost-Friedensprozess.

Der Bundespräsident stimmte mit König Abdullah darin überein, "dass die schwere Krise im israelisch-palästinensischen Verhältnis zu großer Besorgnis Anlass gibt". Daher müssten "alle Anstrengungen unternommen werden, um die Spirale der Gewalt zu brechen und einen Neubeginn der Verhandlungen zu ermöglichen". Er habe dies auch dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat bei dessen kürzlichem Besuch in Wien zugesichert, sagte Klestil.

Bundespräsident unterstützt Amman-Kairo-Initiative

Österreich unterstütze die jordanisch-ägyptischen Friedensvorschläge, die der traditionellen österreichischen Nahost-Politik und auch der Politik Österreichs im Rahmen der Europäischen Union entsprechen, betonte Klestil. Diese aus der Region selbst kommende Initiative sei eine große Chance. Im Vorschlag Kairos und Ammans wird ein totaler Baustopp jüdischer Siedlungen in den Palästinensergebieten, ferner die Aufhebung der israelischen Blockaden und die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen gefordert.

Der Haschemiten-König unterstrich seinerseits in einer kurzen vorbereiteten Erklärung, dass die Staatengemeinschaft alle Anstrengungen unternehmen müsse, um den Frieden in der Region wiederherzustellen. Er habe den Bundespräsidenten über die Beratungen in Sharm el Sheikh, wo er mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak die Einzelheiten des gemeinsamen Friedensplanes erarbeitet hatte, informiert. Im besonderen dankte Abdullah Österreich für die kontinuierliche Unterstützung, die es seinem Königreich zu Teil werden lasse. Dass er binnen fünf Monaten bereits zum zweiten Mal Österreich einen Besuch abstatte, wertete der König als einen Ausdruck der guten und freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten.

Neben dem Nahost-Konflikt ging es bei dem Meinungsaustausch nach Angaben beider Staatsoberhäupter auch um eine Vertiefung der bilateralen Kooperation. Nach der Unterredung wurden die Beratungen im Rahmen eines Arbeitsessens in der Hofburg fortgesetzt. Daran nahmen von österreichischer Seite auch vier Regierungsmitglieder teil, Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (VP), Innenminister Ernst Strasser (VP), Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FP) und Infrastrukturministerin Monika Forstinger (FP).

König Abdullah II. wollte noch am Dienstagnachmittag nach Amman zurückkehren. Er war aus Paris gekommen, wo er mit der französischen Führung seine Friedensinitiative erörtert hatte. (APA)

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