Greenpeace-Aktivisten bei Protest gegen US-Raketenschild festgenommen

8. Mai 2001, 15:54
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"Star Wars"-Programm große Bedrohung für Weltfrieden

Wien - Zwei Greenpeace-Aktivisten, die am Montag gegen das von den USA geplante Raketenabwehrprogramm protestiert hatten, sind am Dienstag zu einer einmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Laut einer Aussendung der Umweltorganisation müssen die beiden Umweltschützer eine Woche davon absitzen. Die Verurteilten, der Amerikaner Mike Townsley (37) und die Dänin Anne Marie Rasmussen (21), bekannten sich schuldig, auf der Radarstation der US-Armeebasis Kuajalein ein Transparent mit der Aufschrift "Stop Star Wars" entrollt zu haben.

"Eine Woche Haft ist eine lächerliche Überreaktion für einen nicht gewalttätigen Protest", sagte Greenpeace-Aktivistin Melanie Duchin, die sich im Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" auf den Marshall Inseln befindet. Es sei ein Beweis dafür, dass die Regierung von Präsident George W. Bush eine öffentliche Debatte über das Rakenschild unterdrücken möchte, sagte Duchin.

Die beiden Umweltaktivisten befindet sich derzeit in einem Gefängnis in Ebeye, einer kleinen Insel zwei Kilometer nördlich der US-Militärbasis. Am Samstag werden sie nach Majuro, der Hauptstadt der Marshall Inseln, transferiert werden, wo sie den Rest ihrer Haftstrafe absitzen müssen.

Druck der USA

Greenpeace behauptete nach der Festnahme, dass die Regierung der USA Druck auf die Behörden des Staates ausgeübt habe, ein Exempel an den Aktivisten zu statuieren. Nach Angaben von Greenpeace befinden sich derzeit Gesandte der USA in Japan, Australien und Europa, um den bisher skeptischen Staaten "das Star Wars-Programm schmackhaft zu machen." Vor allem die Einbindung Großbritanniens und Dänemarks sei wichtig, weil deren Radar-Frühwarnsysteme "Flyingdales" und "Thule" essenzielle Bestandteile des Raketenabwehrprogramms seien.

Greenpeace-Abrüstungsexperte Gordon Clark fragt, "wer nun der wirkliche Schurkenstaat sei", nachdem die USA gerade dabei sei die Abrüstungsverträge zu brechen. Das Raketenabwehrprogramm der USA sei "die einzige wirklich große Bedrohung für den Weltfrieden", sagte Clark und appellierte an alle Staaten der Welt, massiv dagegen aufzutreten. Sonst würden sie sich an einem erneuten Wettrüsten mitschuldig machen. (APA)

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