Rechnungshof-Kritik an E-Wirtschaft

8. Mai 2001, 12:44
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Eigentümer säumig mit passenden Strukturen für E-Wirtschaft

Wien - Der Rechnungshof (RH) übt Kritik an Versäumnissen der Eigentümer in der heimischen E-Wirtschaft und auch daran, dass 16 Mrd. S (1,163 Mrd. Euro) durch wechselseitige Beteiligungen börsenotierter Energieversorger gebunden sind. Es wäre Aufgabe der Eigentümer gewesen, geeignete Strukturen in der Strombranche zu schaffen, um den Herausforderungen eines europäischen Binnenmarktes für Elektrizität erfolgreich begegnen zu können, stellten die Prüfer laut Tageszeitung "Die Presse" (Dienstagausgabe) aus Anlass eines Rohberichts zum niederösterreichischen Energieversorger EVN fest.

"Auch die durch Aktienaufkäufe erfolgte gegenseitige Beteiligung von österreichischen börsennotierten EVU, die jeweils gegenseitig über die Sperrminorität verfügen und diese auch teilweise beanspruchten, haben diese Entwicklung nicht verbessert", erklären die RH-Prüfer laut dem Zeitungsbericht weiter: "Vielmehr sind dadurch Mittel in Höhe von 16 Milliarden Schilling gebunden, die sinnvoller für eine Stärkung der Marktposition hätten verwendet werden können."

Umsatzrückgänge

Die schrittweise Öffnung des Strommarktes ab 1999 habe bei den heimischen Energieversorgern für beträchtliche Umsatzrückgänge gesorgt, so der RH-Rohbericht weiter. Allein der Verbundkonzern habe im ersten Liberalisierungs-Jahr trotz erhöhten Absatzes 2,8 Mrd. S Erlösschmälerungen hinnehmen müssen. 2000 sei die Situation nicht besser gewesen: Da hätten Verbund und die neun Landesgesellschaften knapp 11 Mrd. S Mindereinnahmen verzeichnet. Die EVN rechne bis 2004 mit Mindereinnahmen von 2,1 Mrd. S gegenüber dem Geschäftsjahr 1998.

Ab Oktober 2001, wenn sich auch alle Haushalte den Stromlieferanten selbst aussuchen können, müßten die Energieversorger noch mehr Haare lassen: "Der massive Verdrängungswettbewerb der großen europäischen EVU mit teils hohem Atom-Stromanteil, Überkapazitäten und beträchtlichen finanziellen Ressourcen für Akquisitionen löste sinkende Preise für die Stromkunden aus." Damit sei die Gefahr einer Verdrängung der teureren erneuerbaren Energiequellen entstanden. Zudem räche sich die zögerliche Zusammenarbeit der heimischen Energieversorger, die mittelfristig Übernahmeversuche begünstigen. (APA)

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