Deutsche Kirchen erklären Rassismus zur Sünde

8. Mai 2001, 11:40
posten

Politik sei nun gefordert

Bonn - Die deutschen Kirchen haben zum Kampf gegen Rassismus aufgerufen und ihn zur Sünde erklärt. Die Evangelische Kirche in Deutschland, die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die Griechisch-Orthodoxe Metropolie appellierten in einer am Dienstag in Bonn verbreiteten Gemeinsamen Erklärung an die in Deutschland lebenden Menschen, sich entschieden und mutig gegen Rassismus und Diskriminierung zu engagieren. Gegen Diskriminierung seien auch gesetzliche Regelungen erforderlich.

Fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen und Angriffe dürften nicht hingenommen werden. Die politisch Verantwortlichen sollten "alles unterlassen, was ausländerfeindlichen Stimmungen und Aktionen Vorschub leisten könnte", heißt es in dem von Präses Manfred Kock, Kardinal Karl Lehmann und Metropolit Augoustinos unterzeichneten Aufruf. Maßnahmen zur Integration müssten verstärkt werden. Regelungen des Aylbewerberleistungsgesetzes bewirkten Ausgrenzung und förderten Vorurteile in der Bevölkerung.

Rassismus stelle Lebensrecht infrage

Rassismus sei keine Wertung oder Beurteilung, die man so oder so treffen könne. Er stelle vielmehr das Lebensrecht und die Würde anderer Menschen grundsätzlich in Frage. Es sei nicht zu akzeptieren, dass Menschen wegen ihrer Andersartigkeit gering geschätzt, benachteiligt oder bedroht würden, heißt es in der Erklärung zur diesjährigen "Woche der ausländischen Mitbürger/interkulturelle Woche 2001" (23. bis 29. September). Besondere Anstrengungen müssten unternommen werden, damit sich rassistisches Denken und Verhalten unter Kindern und Jugendlichen nicht weiter ausbreite.

"Rassismus muss in seinen offenkundigen wie in seinen versteckten Formen aufgespürt und überwunden werden. Dazu ist nicht nur ein wacher und kritischer Blick erforderlich, sondern dazu sind auch Mut, Zivilcourage und Entschiedenheit notwendig." Das Motto der diesjährigen Woche der ausländischen Mitbürger "Rassismus erkennen - Farbe bekennen" wolle dazu aufrufen.(APA/dpa)

Share if you care.