Mazedoniens letzte Chance

8. Mai 2001, 11:17
41 Postings

Ein NZZ-Kommentator fragt sich, ob Skopje den Ernst der Lage verkannte

Zürich - "Die Verantwortung für die jüngste Entwicklung in Mazedonien trägt auch die mazedonische Regierung", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" am Dienstag zu den Gefahren eines Bürgerkrieges in dem Balkanstaat. Die Regierung in Skopje habe die nach der erfolgreichen Offensive in der Region von Tetovo Ende März und dem Rückzug der albanischen UCK-Kämpfer abgegebenen Versprechen nicht eingehalten. "Auf politischer Ebene hat sich in den letzten Wochen kaum etwas bewegt. Die angekündigten Gespräche sind in Verfahrensfragen stecken geblieben. Ganz offensichtlich fehlt es auch am politischen Willen. Oder hat Skopje den Ernst der Lage verkannt?"

Vieles deute darauf hin, dass die UCK mehr Unterstützung in der Bevölkerung hat, als die Führung in Skopje zugeben will. "Die Gefahr ist groß, dass sich die Flammen zu einem Flächenbrand ausweiten. Im Grenzgebiet zu Kosovo wird erneut geschossen. In Bitola wurden albanische Geschäfte von aufgebrachten Mazedoniern in Brand gesteckt. Der Graben, der die beiden Volksgruppen trennt, ist noch tiefer geworden. Die Feindbilder haben sich verfestigt, die Angst nimmt zu, auf beiden Seiten. Mit jedem neuen Toten wachsen die Wut und der Hass. Die Extremisten erhalten Auftrieb."

"Statt mit Taten das Vertrauen der gemäßigten Albaner zu gewinnen, hat die Regierung auch noch einen Teil jener albanischstämmigen Bürger gegen sich aufgebracht, die sich während der Kämpfe im März von den militärischen Aktionen der Extremisten distanziert haben. Auf der anderen Seite müssen auch die Albaner den Mazedoniern entgegenkommen und klipp und klar zu verstehen geben, dass sie Gewalt ablehnen und den mazedonischen Staat als ihre politische Heimat betrachten."

Der Konflikt könne nicht allein mit dem "Überschwappen des Extremismus aus Kosovo" erklärt werden. "Die ethnischen Probleme, die seit der Unabhängigkeit den mazedonischen Staat latent gefährden, sind vielmehr zum größten Teil hausgemacht."(APA)

Share if you care.