Cisco mit Milliardenverlust

9. Mai 2001, 18:58
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Stellenabbau von 8500 Mitarbeitern kostet den Musterschüler der New Economy rund 60 Milliarden Schilling

San Jose/Wien - Die weltweite Krise in der Informations- und Kommunikationsindustrie geht in die Verlängerung. Der weltgrößte Technologiehersteller für Internet, Telefon-und Datennetzwerke, Cisco Systems, hat im abgelaufenen Quartal nach Sonderbelastungen einen Nettoverlust in der Höhe von 2,69 Milliarden US-Dollar (3,03 Mrd. Euro/41,7 Mrd. S) eingefahren. Der operative Gewinn sei bei der globalen Konjunkturabkühlung und den schrumpfenden Aufträgen der Telekommunikationsindustrie drastisch gesunken, teilte Cisco mit.

Unter Herausrechnung von Einmalbelastungen wies Cisco mit drei Cents je Aktie einen etwas höheren Gewinn aus, als Analysten zuletzt in ihren nach einer Cisco-Gewinnwarnung gesenkten Prognosen vorhergesagt hatten. "Die ersten vier Monaten des laufenden Jahres sind für jedes Hochtechnologieunternehmen eine extreme Herausforderung gewesen", sagte Vorstandsvorsitzender John Chambers. Den Tiefpunkt in der Netzwerk- und Telekommunikationsindustrie erwartet der Cisco-Chef erst in den nächsten ein bis zwei Quartalen.

Die Konkurrenten Lucent Technologies, Nortel Networks und Juniper Networks hatten in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls Gewinn-und Umsatzwarnungen sowie Stellenabbau angekündigt.

Die Cisco-Aktie stand am Dienstagabend nachbörslich unter Druck. Auch an den asiatischen Börsen gaben Technologiewerte nach Angaben von Händlern in Folge der Cisco-Bekanntmachung nach. Der Kurs der Cisco-Aktie fiel im nachbörslichen Instinet-Handel auf 20,12 Dollar von 20,36 Dollar beim Schluss der US-Technologiebörse Nasdaq. Im Tagesverlauf war allerdings der Kurs - beflügelt von einer Höherstufung durch ein Brokerhaus - um mehr als einen Dollar oder sechs Prozent gestiegen.

Gefüllte Lager

Die Cisco-Aktie hatte sich in den vergangenen sechs Wochen meist unterhalb der Marke von 20 Dollar bewegt. Ihr höchster Kurs in den letzten zwölf Monaten lag bei 70 Dollar.

Im Vorjahr hatte das Vorzeigeunternehmen der New Economy noch einen Reingewinn von 641 Millionen Dollar oder acht Cents je Aktie erzielt. Zu den Einmalbelastungen gehörten unter anderem die Abschreibung von Lagerbeständen über 2,2 Mrd. Dollar und Rückstellungen von 1,17 Mrd. Dollar für Umstrukturierung, einschließlich des bereits angekündigten Abbaus von 8500 Stellen. Insgesamt wird Cisco die Jobkürzungen mehr als 3,7 Milliarden Dollar (rund 60 Mrd. Schilling) kosten.

Die Analysten hatten ihre Gewinnerwartungen für Cisco im April von acht Cents auf zwei Cents je Aktie zurückgeschraubt, nachdem das Unternehmen die Märkte mit einem schwachen Ausblick schockierte. Der Umsatz habe sich im Berichtsquartal auf 4,73 (Vorjahr 4,93) Mrd. Dollar verringert.

Cisco hatte bereits am 16. April unter Hinweis auf die Konjunkturabkühlung in den USA und die schrumpfenden Aufträge der Telekommunikationsindustrie angekündigt, dass im dritten Quartal 2000/ 2001 das Ergebnis vor Einmalbelastungen sehr niedrig sein werde. Das Unternehmen hatte auch einen Rückgang des Umsatzes um 30 Prozent im Vergleich zum Vorquartal vorausgesagt.

Österreich-Folgen noch nicht absehbar

Inwiefern das schlechtere Ergebnis die Österreich-Tochter betrifft, ist derzeit noch nicht absehbar. Ob es zu einem Stellenabbau auch hierzulande kommen wird, wollte man in Wien nicht kommentieren. Die Eröffnung der Salzburger Niederlassung sei durch die Krise nicht betroffen. (APA/jake)

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