Berlusconi-Rückzieher: Keine Kundgebung zum Mediaset-Verkauf

8. Mai 2001, 10:43
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Binnen 100 Tagen an der Regierung will er seinen Interessenskonflik gelöst haben

Rom - Der italienische Oppositionschef Silvio Berlusconi macht einen Rückzieher. Er wird am Freitag, zwei Tage vor den Parlamentswahlen am 13. Mai, keine Kundgebung über die Zukunft seines TV-Imperiums machen, von dem er sich auf Grund seiner Konflikte zwischen politischen und wirtschaftlichen Interessen trennen müsste, wie die Medien vor einigen Tagen berichtet hatten. Das erklärte Berlusconi im Interview mit dem Programm "Die vergiftete Herausforderung" (La sfida avvelenata), das am Montagabend von seinem TV-Kanal "Italia 1" gesendet wurde. Berlusconi erklärte, er sei von den Medien missverstanden worden. Vor den Parlamentswahlen werde er keinen Beschluss über die Zukunft seiner Mediengesellschaft Mediaset fassen, die drei landesweit ausgestrahlte TV-Kanäle kontrolliert.

Berlusconi erklärte, er habe niemals behauptet, dass Mediaset unter Kontrolle seiner Familie bleiben müsste. "Mediaset ist ein Erbgut des Landes und ich glaube nicht, dass man vor den Parlamentswahlen einen Beschluss fassen kann, der auch traumatische Effekte haben könnte. In den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit als Regierungschef werde ich jedoch eine konkrete Antwort auf das Problem der Interessenkonflikte geben, das gelöst werden muss", so Berlusconi.

Der Oppositionschef erklärte, er habe bereits eine Liste der Minister vorbereitet, die nach dem Wahlsieg seinem Mitte-Links-Kabinett beitreten werden. Er sei jedoch von Staatschef Carlo Azeglio Ciampi aufgefordert worden, die Namen nicht bekannt zu geben. Die italienischen Medien spekulieren jedoch schon wild über die möglichen Mitarbeiter Berlusconis in seinem neuen Kabinett. Für den Posten des Telekommunikationsministers scheint Berlusconi an die ehemalige RAI-Präsidentin Letizia Moratti, interessiert zu sein. Der Chef der mit Berlusconi verbündeten Nationalallianz (AN), Gianfranco Fini, könnte den Posten des Vizepremiers erhalten. (APA)

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