Gianfranco Fini

8. Mai 2001, 10:28
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Ex-Neofaschist machte Italiens Rechte salonfähig

Rom - Gianfranco Fini ist der treueste Verbündete von Silvio Berlusconi, dessen Posten an der Spitze der Mitte-Rechts-Allianz er übernehmen möchte, sollte der Medientycoon einmal zurücktreten. Der 48-Jährige zählt zu den brillantesten Spitzenpolitikern Italiens. In knapp sieben Jahren gelang es ihm, die neofaschistische Sozialbewegung (MSI), die Jahrzehnte lang am äußersten rechten Rand der italienischen Parteienlandschaft positioniert war, in die moderate Rechtsbewegung Alleanza Nazionale (AN) umzuwandeln, die sich an den französischen Gaullisten orientiert.

In Talkshows und Interviews macht Fini gute Figur: Er ist selbstsicher, redegewandt, ironisch, schlagfertig und ist daher ein idealer Partner für den TV-König Berlusconi. Der aus Bologna stammende Doktor der Pädagogik hatte sich als Student der neofaschistischen MSI angeschlossen. Fünf Jahre lang leitete er die Jugendorganisation der MSI und schrieb gleichzeitig für das Parteiblatt "Il Secolo d'Italia". Er wurde zum Kronprinzen des Neofaschistenführers Giorgio Almirante, eines ehemaligen Mitstreiters von Benito Mussolini. 1987 trat Fini als Nachfolger Almirantes an die Spitze der Partei.

Fortan bemühte er sich, das Image der Sozialbewegung zu verbessern, um die MSI zu einer modernen Partei zu machen, die vor allem Jugendliche anlockt. Die Wende wurde im Jahr 1994 vollzogen. Fini wandelte die MSI in AN um und suchte den Dialog mit anderen politischen Gruppen. Fini ging zur faschistischen Vergangenheit der Partei auf Distanz, besuchte das KZ-Lager in Auschwitz und fand wachsenden Zuspruch beim Bürgertum. Danach ging er eine Wahlallianz mit Berlusconis Partei Forza Italia ein, die sich als ein solides Bündnis erwies.

Bei den Parlamentswahlen 1994 erhielt Finis Gruppierung 13,5 Prozent der Stimmen und wuchs somit zur drittstärksten Partei in Italiens Parlament. Trotz internationaler Proteste durfte die AN den Vizepremier stellen und besetzte fünf Ministerposten. Das EU-Parlament erhob Vorbehalte gegen römische Kabinettsmitglieder aus den Reihen der Postfaschisten. Fini verteidigte sich eloquent gegenüber den internationalen Attacken. Nur eine Minderheit in der AN sei "neofaschistisch". Nach dem Sturz der Regierung Berlusconis im Dezember 1994 begann für die AN eine schwierige Zeit in der Opposition, während der sie jedoch stets Berlusconi treu blieb.

In den letzten Jahren arbeitete Fini unermüdlich am Image der von ihm aufgebauten "neuen Rechten". Die AN, beteuert er, sei demokratisch, modern, gemäßigt. "Er versucht, eine Zentrumspartei aufzubauen, die nur noch gelegentlich nach rechts blickt", ereifert sich etwa Mussolini-Enkelin Alessandra. Manche überzeugt er damit keineswegs.

Sollte er nach einem Wahlsieg Berlusconis wieder in die Regierung kommen, wird er sich auf Attacken aus EU-Kreisen gefasst machen müssen. Der belgische Außenminister Louis Michel äußerte kürzlich Bedenken hinsichtlich der demokratischen Basis der von Berlusconi angeführten Mitte-Rechts-Allianz. Die Italiener sehen in Fini jedoch inzwischen den zuverlässigeren Politiker als Berlusconis dritten Verbündeten, den Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, der sich nach einer Phase politischer Isolation wieder dem Bündnis angeschlossen hat. (APA)

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