Gegen die "Erbsünde des Patriarchats"

8. Mai 2001, 10:26
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Rainhard Fendrich singt gegen Männerklischees an

Wien - Rainhard Fendrich hat für die Texte zu seiner neuen CD "Männersache" Rollenbilder unter die Lupe genommen: "Es ist ein Klischee, dass die Männer fürs Grobe zuständig sind - vom Öffnen des Marmeladeglases über das Schneekettenanlegen bis zum Kriegführen. Oder dass Männer schweigen und keine Gefühle zeigen dürfen. Ich weigere mich jedenfalls, mit der Erbsünde des Patriarchats leben zu müssen." Das Album erscheint im Juni bei BMG Ariola, als erste Single wurde "Entsetzlich hetero" ausgekoppelt.

Eigentlich wollte Fendrich gar keine Pop-Platte mehr aufnehmen. "Nach der 'Blond-Tour' mit lädierten Bandscheiben und Übergewicht hatte ich keine Lust mehr. Ich war depressiv, habe noch mehr zugenommen und die Öffentlichkeit gemieden", sagte der Sänger und Schauspieler im Gespräch mit der APA in Wien. Heute freut sich ein rundum fitter Fendrich "schon wieder auf die nächste Tournee".

Zwangspause

Als Auslöser für die Entstehung von "Männersache" entpuppte sich eine Zwangspause: "Die Premiere meines Musicals hat sich um ein Jahr verschoben, weil der Regisseur nicht früher zur Verfügung steht. Ich wollte mich einerseits nicht mit Auftritten bei Galas über die Runden retten. Andererseits hat mich die Plattenfirma an meinen Vertrag erinnert." Eines Tages habe er spontan beschlossen, die CD "Männersache" zu nennen: "Ich hatte damals noch keinen einzigen Song fertig. Aber ein Konzept."

Keine Schwäche zeigen

Mit der Idee im Kopf setzte sich Fendrich an den Computer: "John Grisham, den ich sehr bewundere, arbeitet auch so. Er dreht in der Früh den PC auf und schreibt - und das geht." Von Anfang November bis Ende Februar entstanden "relativ rasch" 14 Titel, die sich rund um das Thema "Mann" bewegen. "Dabei beschäftigte ich mich auch viel mit meiner Erziehung", betonte der 46-Jährige. "Ein Mann darf nie Schwäche zeigen - das ist zum Beispiel so ein Klischee aus meiner Kindheit."

Nicht alles ist autobiografisch

"Viele Texte sind in der Ich-Form, aber nicht unbedingt autobiografisch", erläuterte Fendrich. In der eigenen Familie gebe es keine Kluft zwischen den Geschlechtern: "Es hat immer derjenige mit den besseren Argumenten das Sagen - das erwartet man nicht unbedingt von jemandem, der 'Macho Macho' singt und Erfolg hat. Es gibt zwischen meiner Frau Andrea und mir eine große Grundliebe und Respekt. Wenn wir uns streiten, tragen wir das nicht in die Öffentlichkeit. Und Gleichberechtigung ist bei uns kein Thema, sondern selbstverständlich."

"Männersache" bezeichnet Fendrich als "kalkulierten Sprung ins kalte Wasser": "Ich habe erkannt, dass man viel leichter Lieder schreiben kann, wenn man den Filter im Kopf wegschaltet. Ich wollte mich sprachlich nicht mehr an den deutschen Markt anpassen. Früher habe ich oft wochenlang überlegt, wie ich 'Oarsch' umschreibe, wenn ich es so meine." Heute sei er viel freier, unterstrich Fendrich - auch musikalisch. Mit Produzent Harold Faltermayer wurde eine Platte eingespielt, "die live genau so klingt". (APA)

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