Umberto Bossi

8. Mai 2001, 10:27
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"Enfant terrible" der italienischen Politik

Rom - Nach dem Gang durch die Wüste - sechs Jahre politische Isolation und kontinuierlicher Stimmenschwund - ist der Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, wieder da: Der "verlorene Sohn", der im Dezember 1994 aus der Wahlallianz mit dem damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi ausgetreten war und damit das Kabinett des Medientycoons gestürzt hatte, ist wieder in das "Haus der Freiheit" zurückgekehrt, wie sich Italiens oppositionelle Mitte-Rechts-Allianz nennt. Dank des Wahlpakts hofft Bossi bei den Parlamentswahlen am 13. Mai auf eine Rückkehr in die Regierung, um sein politisches Ziel zu verwirklichen: Die Föderalisierung Italiens.

Der 1941 in Varese geborene Bossi begann seine Laufbahn als "Außenseiter", als er 1982 die autonomistische "Lega Lombarda" gründete. Ins Rampenlicht trat Bossi erst 1987, als er für die "Lega" als Senator ins römische Parlament einzog. Von da an wurde er immer mehr zum Symbol des Protestes der Norditaliener gegen die als "korrupt" empfundene Politik Roms und den Zentralismus. Dies gipfelte in der Forderung, Italien dreizuteilen. Bei den Parlamentswahlen im Frühjahr 1992 erfolgte der große Durchbruch der mittlerweile in "Lega Nord" umbenannten Partei - sie eroberte insgesamt 80 Sitze in den beiden Parlamentskammern.

Rebellisch und trotzig, deftige Sprüche auf den Lippen, schloss Bossi im Jahr 1994 den Wahlpakt mit Berlusconi und brachte vier Minister in die Regierung. Im Dezember 1994, nach nur knapp neun Monaten, brach Bossi die Wahlallianz und verursachte so Berlusconis Sturz. Die beiden wurden zu Erzfeinden. Die Lega Nord entschloss sich zum Alleingang, was der Partei jedoch keinen politischen Erfolg brachte.

Um wieder auf sich aufmerksam zu machen, wandelte sich Bossi vom Föderalisten zum Separatisten. Seine Pläne, Norditalien vom Rest des Landes abzusondern und in die "Republik Padanien" umzuwandeln, sorgten für Aufregung. Im September 1996 proklamierte er feierlich in Venedig die Unabhängigkeit Padaniens, jener Großregion südlich des Alpenbogens bis nach Florenz, die ihre Bezeichnung dem lateinischen Namen Padus für den Fluss Po verdankt. "In zwei Jahren wird Padanien mit den Attributen der Souveränität, eigenem Geld, Miliz und Justiz ausgestattet sein", versprach Bossi.

Sein Vorhaben blieb pure Theorie. Die Norditaliener wandten sich immer mehr von Bossis Projekten ab. Die Partei verlor Stimmen und erreichte bei den Europawahlen im Juni 1999 den Tiefpunkt mit knapp vier Prozent. Der "Senatur", wie Bossi im lombardischen Dialekt genannt wird, musste seine Strategie revidieren. So entschloss er sich, alte Feindschaften zu begraben und sich wieder Berlusconi anzuschließen. Der Wahlpakt wurde im März 2000 unterzeichnet.

Bossi braucht Berlusconi dringend, um seine Ziele zu verwirklichen. Auch Berlusconi braucht den "Barbar aus dem Norden", um sich einen Wahlsieg in Oberitalien zu sichern. "Diesmal wird die Wahlallianz halten. Wir haben das Wahlprogramm gemeinsam verfasst und dem Föderalismus Priorität eingeräumt", so Bossi. Berlusconi erklärte sich sogar bereit, ihm den Posten des Vizepremiers anzuvertrauen. Er will Bossi so eng wie möglich an sich binden, um weitere "Streiche" seines unberechenbaren Verbündeten zu vermeiden.

Berlusconi wird Bossi aber auch vor den Attacken aus Europa schützen müssen. Der belgische Außenminister Louis Michel bezeichnete den Lega-Chef als einen "Faschisten", vor dem sich Europa in Acht nehmen müsse. Berlusconi hat in den vergangenen Monaten eine europäische Tour gestartet, um seine Gesprächspartner zu überzeugen, dass er aus dem Separatisten einen zuverlässigen Regierungspartner gemacht habe. (APA)

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