SVP-Spitze kritisiert Rauch-Kallat

8. Mai 2001, 10:02
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Brugger: Ungenügende Kenntnis der Situation Südtirols

Bozen - Auch die Spitze der Südtiroler Volkspartei (SVP) hat Aussagen von ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat zur Italien-Wahl kritisiert. Obmann Siegfried Brugger kündigte am Dienstag ein Schreiben an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an. Rauch-Kallat kenne offenbar nicht genügend die Situation in Südtirol, meinte Brugger.

Rauch-Kallat hatte nicht nur ihrer Hoffnung auf einen Wahlsieg des Polo unter Silvio Berlusconi Ausdruck verliehen, sondern auch von allfälligen "Vermittlungen" gesprochen, zu denen Österreich auf Wunsch Südtirols bereit sei. Brugger betonte, die Schutzmachtrolle Österreichs heiße nicht, im Zweifelsfall und auf Wunsch der Südtiroler hin zu vermitteln. Bisher habe noch kein Politiker der ÖVP, aber auch nicht anderer österreichischer Parteien, die Rolle der Schutzmacht Österreich als "Vermittlerfunktion" bezeichnet. Man gehe davon aus, dass Österreich die bisherige Position beibehalte. Klärung davon erhoffe sich die SVP nicht zuletzt durch den Brief an Schüssel.

"Ich habe den Eindruck, dass Rauch-Kallat die Situation in Südtirol offensichtlich nicht genügend kennt", meinte Brugger. Gerade der in Südtirol kandidierende Polo-Politiker Franco Frattini nehme Positionen ein, die weit nationalistischer als jene von Alleanza Nazionale seien. Überdies sei es genau Frattini gewesen, der die internationale Verankerung der Südtirol-Autonomie in Frage gestellt habe. Ganz abgesehen davon seien solche Äußerungen grundsätzlich nicht opportun. "Auch andere Parteien, die in Europa organisiert sind, mischen sich nicht in andere Wahlkämpfe ein", erklärte Brugger. (APA)

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