Wieder Stromausfälle in Kalifornien

9. Mai 2001, 14:54
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Bis zu 400.000 Haushalte betroffen - Anhaltende Hitzewelle verschärft Energieknappheit

San Francisco - Wegen der anhaltenden Energieknappheit in Kalifornien haben die Stromversorger in dem US-Bundesstaat am Dienstag 400.000 Haushalten vorübergehend den Strom abgestellt. Bereits am Vortag mussten rund eine Viertel Million Haushalte ohne Strom auskommen, wie die für das Stromnetz zuständige staatliche Kontrollbehörde ISO mitteilte.

Die Menschen in Kalifornien haben schon seit Monaten mit den Auswirkungen der Stromknappheit zu kämpfen. Die Hitzewelle an der US-Westküste hat die Krise in den vergangenen Tagen drastisch verschärft, weil viele Menschen beim Nachhausekommen ihre Klimaanlagen einschalten. Der Stromverbrauch steigt dann regelmäßig sprunghaft an. Nach Angaben der ISO sind die Energiereserven Kaliforniens auf zwei Prozent des Normalpegels gefallen.

Aufruf zum Energieparen

Behörden, Politiker und Stromerzeuger riefen die Kalifornier wiederholt zu energiesparendem Verhalten auf, zunächst jedoch ohne greifbaren Erfolg. Viele Menschen standen am Dienstag im Stau, weil Verkehrsampeln wegen der Stromausschaltung erloschen waren. Restaurants mussten schließen, und hunderttausende Kalifornier mussten ohne die gewohnte Klimatisierung in ihren Wohnungen schwitzen.

Ernsthafte Störungen des Alltagslebens in dem US-Bundesstaat wurden aber nicht gemeldet. Auch für Mittwoch kündigte die ISO Stromabschaltungen an. "Dies ist ein Vorgeschmack auf das, was wir im kommenden Sommer erleben werden", sagte ein ISO-Sprecher.

Kraftwerke in Reparatur

In Kalifornien sind vier Kraftwerke wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb; andere Kraftwerke im Westen des Landes haben wegen der Hitzewelle keine Kapazitäten frei. Zudem hat ein ungewöhnlich trockener Winter die Kapazitäten der Wasserkraftwerke fallen lassen. Kritiker führen die Krise auch auf eine verfehlte Energiepolitik der kalifornischen Regierung zurück.

Zwei der größten Stromanbieter des Bundesstaates, Pacific Gas & Electric (PG and E) und Southern California Edison stehen wegen der Liberalisierung des Strommarktes und der höheren Preise am Rande des Bankrotts. PG and E hatte Anfang April Konkurs angemeldet. Seitdem die kalifornische Regierung den Strommarkt 1996 deregulierte, dürfen die Stromversorger steigende Produktionskosten nicht an die Verbraucher weitergeben. Deshalb waren sie in letzter Zeit tief in die roten Zahlen geraten. (APA)

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