Nachtarbeitsverbot: Schnee von gestern

8. Mai 2001, 09:18
posten
Das Nachtarbeitsverbot für Frauen muss spätestens Ende des Jahres fallen. Österreich ist das einzige EU-Land mit einem solchen prinzipiellen Verbot, und die vor Jahren erwirkte Galgenfrist geht mit dem Jahr 2001 zu Ende. Daran ist nicht zu rütteln, das wissen alle schon seit langem. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein tut gut daran, schon jetzt die Weichen zu stellen. Auch die Interessenvertreter der Arbeitnehmer kapitulieren inzwischen vor diesen Fakten und versuchen, das Thema offensiv anzugehen.

Drei Grundprinzipien sind bei einer Neuregelung zu beachten. Da wären einmal Ausnahmen für schwangere Frauen sowie Tagesjobs für Menschen, die Nachtarbeit gesundheitlich einfach nicht verkraften. Zweitens müssen sich die Betriebe die Zusatzschichten auch etwas kosten lassen. Pauschale Zuschläge von wenigen Hundert Schilling, wie sie im Tourismus üblich sind, werden zu wenig sein. Seriös kalkulierende Geschäftsleute werden ihre Maschinen ohnehin nicht über Nacht laufen lassen, wenn das Ganze keinen Profit abwirft. Drittens sollten die Sozialpartner vom Start weg eingebunden sein und nicht erst nach gesetzlichem Murks.

Frauen prinzipiell vor Nachtarbeit zu verschonen ist Schnee von gestern - so gut Schutzbestimmungen auch gemeint sein mögen. Die Realität spricht eine andere Sprache, das gängige Verbot ist ein sprichwörtlicher Emmentaler. Und schließlich gibt es genug Frauen, die sich Nachtarbeit antun wollen.

Spannend wird's bei der Kinderbetreuung. Wird die schwarz-blaue Koalition, die sich sehr familienfreundlich gibt, Ausnahmen für Eltern mit kleineren Kindern festlegen oder es den Eltern überlassen, sich vor der totalen Selbstausbeutung - Kinder bei Tage, Beruf bei Nacht - zu schützen? (Lydia Ninz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 5. 2001)

Share if you care.