Ein Finanzchef mit "Tischkultur" - Nagl folgt Strobl

7. Mai 2001, 19:31
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Siegfried Nagl folgt Helmut Strobl als Grazer Kulturstadtrat nach

Graz- Exbundeskanzler Viktor Klima, der für seinen Entschluss, die Kunst zur Chefsache zu erklären, einst viel gescholten wurde, findet auf kommunalpolitischer Ebene einen Nachahmer: Siegfried Nagl, Obmann der Grazer Volkspartei, erklärte Montag-nachmittag die Kultur zur einer solchen. Der Finanzstadtrat wird mit 7. Juni die zentralen Agenden seines Parteikollegen Helmut Strobl übernehmen, von dem er im Jänner 2000 bereits die Führung der Stadt-VP übernommen hatte.

Strobl tritt, wie am Samstag berichtet, aus gesundheitlichen Gründen als Kulturstadtrat in den Ruhestand. Lediglich die Funktionen im Zusammenhang mit dem Projekt Kulturhauptstadt 2003 wird er beibehalten. Sein Ressort wird nun aufgeteilt: Nagl erhält das Kulturamt und das Stadtmuseum, Gerhard Rüsch, der neue Bau- und Wissenschaftsstadtrat, u. a. das Referat für Stadterhaltung, die Fachhochschulen, das Hochbauamt und - von Nagl - die Liegenschaftsverwaltung. Diese Entscheidung sei in der Partei einstimmig gefällt worden.

Nagl: Shooting-Star der steirischen Polit-Szene

Siegfried Nagl, der vor drei Wochen seinen 38. Geburtstag feierte, gilt als der Shooting-star der steirischen Politszene: Der ehemalige Geschäftsführer des Geschirrgeschäftes Klammerth und Vater dreier Töchter stieg erst im März 1998 in die Politik ein.

Im Gespräch mit dem STANDARD beantwortet Nagl, der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studiert hatte, die Frage nach seiner Affinität zur Kultur dahingehend: "Ich komme aus dem Tischkultur-Bereich." Aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit als Finanzstadtrat sei er aber mit dem geplanten Bau des Kunsthauses und mit der Finanzierung des Kulturhauptstadtjahres beschäftigt, zudem sitze er im Theaterausschuss.

Das Amt stelle für ihn eine große Herausforderung dar, er glaube sehr wohl, dieser gewachsen zu sein. Er wolle - wie sein künftiger Vorgänger Helmut Strobl, dessen Weg er weiterzugehen gedecke - für alle da und offen sein.

Vorgänger Strobl findet die Zusammenlegung von Finanz- und Kulturagenden "optimal"

Strobl bezeichnete die Zusammenlegung der Agenden Finanzen und Kultur in der Zuständigkeit Nagls als "optimal" - für die von Finanzierungen abhängige Kultur: "Die Szene darf gut schlafen. Wenn man Nagl hundert Tage Zeit gibt, sich einzuarbeiten, wird man sehen, dass er einen guten Zugang zur Kultur hat. Er wird sicher den einen oder anderen Akzent setzen."

Nagl wird bei der nächsten Wahl für das Bürgermeisteramt kandidieren. Eine Koalition mit der FP hält er für denkbar.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 5. 2001)

Von
Thomas Trenkler
Mitarbeit:
Denise Leising

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