Vorarlberg: Skurrile Personalpolitik in Hohenems

8. Mai 2001, 12:53
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Geldmangel: Leiter des Jüdischen Museums soll wieder eingestellt werden

Hohenems - In der Hohenemser Stadtkasse herrscht Ebbe. Deshalb soll das Land einen verlorenen Prozess gegen den rechtswidrig gekündigten Leiter des Jüdischen Museums, Thomas Krapf, mitfinanzieren. Rund zwei Millionen Schilling (145.345 Euro) an Gehaltsfortzahlungen stehen dem vor zwei Jahren aus Jerusalem nach Vorarlberg geholten Judaisten zu.

Eine Summe, die die Stadt Hohenems anscheinend nicht aufbringen kann. Mit Kulturlandesrat Hans-Peter Bischof (VP) soll aber nicht Bürgermeister Christian Niederstetter (VP) verhandeln, sondern der alternative Jugendstadtrat. Bernhard Amann, von Beruf Sozialarbeiter: "Ich hab denen im Stadtrat gesagt: ,Ich mach das, weil ihr bringt eh nichts her.'" Bürgermeister Niederstetter möchte den gekündigten Museumsleiter lieber wieder einstellen als bezahlen. Amann: "Wenn das Land nicht zuschauen möchte, wie das Museum kaputtgemacht wird, muss es mitzahlen." Wenig Chancen räumt der Pressesprecher von Bischof, Harald Hagen, den Hohenemser Bittstellern ein: "Aus dem laufenden Kulturbudget ist eine Förderung völlig unmöglich."

Im Sommer vergangenen Jahres hat die Stadt Hohenems den Leiter des Jüdischen Museums, Thomas Krapf, vorzeitig gekündigt. Auf Wunsch des Trägervereins, der weder mit der Team- noch mit der Kooperationsfähigkeit des Direktors einverstanden war. Krapf, der sich mit Frau und Kindern in Vorarlberg angesiedelt hatte, klagte gegen die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Kündigung und bekam in erster Instanz Recht. Mit den Stimmen von VP und FP beschloss der Stadtrat, gegen das Urteil zu berufen.

Thomas Krapf wäre zur Rückkehr bereit. Nicht aber zum Verzicht auf zustehende Gelder: "Niemand kann von mir erwarten. dass ich auf meine Position im Museum verzichte und auch noch finanzielle Einbußen in Kauf nehme." Nächste Woche will der Stadtrat entscheiden. (DerStandard,Print-Ausgabe,8.5.2001,jub)

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