SP-Schicker über Untätigkeit im Lainzer Tunnel erbost

8. Mai 2001, 09:08
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Alles wartet auf die Freigabe aus dem Verkehrsministerium

Wien - "Völlig verfehlt" sei die Verkehrspolitik des Bundes, kritisiert der neue Wiener Planungsstadtrat Rudolph Schicker (SP). Der Lainzer Tunnel sei eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte, das in Wien, als wichtiger Knoten der transeuropäischen Netze (TEN), endlich realisiert werden müsse.

Die am Montag neuerlich von FP-Infrastrukturministerin Monika Forstinger im ORF-Radiointerview angekündigte Sicherheitsprüfung für den Bau einer zweiten Tunnelröhre in Lainz bezeichnete Schicker als "vorgeschobenes Argument, um weitere Verzögerungen zu rechtfertigen". Für Schicker erhärtet sich "der Verdacht", dass Wien auf Grund parteipolitischer Motive von der Bundesregierung finanziell und infrastrukturell ausgehungert werden solle.


Lange Geschichte

Schon seit Jahren wird der Bau des Lainzer Tunnels diskutiert. Das Projekt ist theoretisch fertig geplant, mit den Arbeiten wurde bereits begonnen - über der Erde: Doch derzeit stehen die Tunnelbaumaschinen still: Es fehlt die nötige Freigabe aus dem Verkehrsministerium.

Im Büro von Ministerin Forstinger sieht man nämlich noch etliche Fragen ungeklärt. Vor allem über die Sicherheit wird nach der Tunnelkatastrophe von Kaprun heftig diskutiert, da der Lainzer Tunnel mit nur einer Röhre geplant wurde. Nun solle eine zweiröhrige Variante genau geprüft werden.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Wiener FPÖ dazu eine Studie präsentiert. Nach einer "überschlägigen Kostenschätzung" würden Vortriebs-und Sicherungsarbeiten für zwei Tunnelröhren rund 107 Millionen Euro (1,47 Milliarden Schilling) kosten - die derzeit geplante Variante der Straßenbaugesellschaft HL-AG würde auf 105 Mio. (1,44 Mrd. Schilling) kommen.

Der Bau einer zweiten Röhre würde allerdings die Bauphase erheblich verlängern, eine Fertigstellung bis 2010 gilt als höchst unwahrscheinlich. Insgesamt gebe es aber keinen Zeitdruck: Es gäbe dringendere Projekte, so die Ministerin außerdem sei der Tunnel erst sinnvoll, wenn die Strecke Wien-St. Pölten ausgebaut sei - und das kann noch einige Jahre dauern. (DerStandard,Print-Ausgabe,8.5.2001,APA/aw)

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