Scharon bedauert Tod von palästinensischem Baby

7. Mai 2001, 18:28
posten

Verteidigungsminister Ben Eliezer warnt vor Eskalation der Gewalt in Palästinensergebieten

Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat am Montag den Tod eines fünf Monate alten Babys beim israelischen Beschuss der palästinensischen Stadt Khan Junis im südlichen Gazastreifen bedauert. "Es tut uns Leid", sagte Sharon. Israel habe keinesfalls die Absicht, im Kampf gegen Extremisten Kinder und Unschuldige zu treffen. Das kleine Mädchen war beim Beschuss israelischer Panzer auf ein Flüchtlingslager getötet worden, zehn weitere Palästinenser, darunter auch die Mutter, waren verletzt worden. Israel reagierte mit dem Angriff auf den Beschuss einer jüdischen Siedlung mit Mörsergranaten.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer warnte unterdessen im Armeesender vor einer gefährlichen Eskalation der Lage in den Palästinensergebieten. Die Palästinenser hätten die Absicht, in den kommenden Tagen im Kampf gegen Israel gefährlichere Waffen als Mörsergranaten einzusetzen. Der Minister nannte keine näheren Einzelheiten.

Die Fatah-Bewegung des palästinensische Präsidenten Yasser Arafat rief angesichts des Tods des palästinensischen Babys im Gazastreifen eine Notstandssitzung ein. Man müsse neue Wege prüfen, auf die israelischen Angriffe zu reagieren, sagte ein Mitglied der Gruppe.

"Kampf gegen den Terrorismus"

Vor dem Parlament in Jerusalem verteidigte Ministerpräsident Sharon unterdessen die harte Haltung seiner Regierung. Im "Kampf gegen den Terrorismus" gebe es keine Kompromisse, unterstrich Scharon vor den Knesset-Abgeordneten. Seine Regierung werde dabei nicht nur auf Anschläge reagieren, sondern selbst "Initiativen" ergreifen, sagte der Regierungschef unter heftigen Pfiffen der Opposition. Die Palästinenser rief er erneut dazu auf, die Gewalt zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Der Chef der oppositionellen Meretz-Partei, Yossi Sarid, bezeichnete Sharon als einen "Politiker von gestern". Er habe immer noch nicht begriffen, dass der Unabhängigkeitskrieg der Israeli "seit langem beendet ist und der der Palästinenser begonnen hat". Vor seiner Knesset-Rede hatte der 73-jährige Regierungschef den Abgeordneten seines Likud-Blocks angekündigt, dass er nach Ablauf seines Mandats im Herbst 2003 erneut kandidieren wolle. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.