Das Erbe der Maria Theresia

7. Mai 2001, 14:24
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Ein Buch geht der Frage nach, was von Österreichs "Über-Kaiserin" wirklich blieb

Wien - Jene längst vergangene Epoche, in der Kaiserin Maria Theresia Österreich regierte (1740-1780), hat Spuren hinterlassen, die noch heute in Wien zu finden sind. Zahlreiche Gebäude, Plätze und Denkmäler stammen aus dieser Zeit. Manches ist hingegen verschwunden. Über "Errungenschaften" wie die Keuschheitskommission und die damals beliebte Tierhetze ist nur mehr in den Geschichtsbüchern zu lesen. Die am Montag vorgestellte Neuerscheinung "Das blieb vom Wien Maria Theresias" von Gabriele Praschl-Bichler widmet sich beiden Kategorien.

Der Schwerpunkt liegt aber - dem Titel entsprechend - bei den noch bestehenden Zeugnissen. Demnach geht mehr, als man auf den ersten Blick glauben möchte, auf die Zeit Maria Theresias zurück. Gegründet wurde die Börse, das Burgtheater und die Porzellanmanufaktur Augarten. Aber auch die Nummerierung der Häuser und der Beginn der Straßenpflasterung fällt in ihre Amtsperiode, wie dem im Leopold Stocker Verlag erschienenen Band zu entnehmen ist.

Relativ bekannt ist, dass die Herrscherin die Schulpflicht eingeführt hat. Ebenfalls von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind die damaligen, höchst erfolgreichen Bestrebungen, ein neues pflanzliches Lebensmittel populär zu machen: die Kartoffel. Der Kauf des Produktes gestaltete sich bald relativ einfach, denn auch das Maß- und Gewichtssystem wurde unter Maria Theresia vereinheitlicht.

Die Autorin widmet sich sowohl dem Alltagsleben der "gewöhnlichen" Wiener als auch der "High-Society", also des Adels. Dieser soll sich im 18. Jahrhundert durch eine besondere Loyalität zum Kaiserhaus ausgezeichnet haben, wie mit einem Anflug von Wehmut festgestellt wird: "Was man heute eher vermissen könnte, sind der höfliche Umgang der Menschen untereinander, ihr größeres moralisches Gewissen, der Anstand, die Haltung, die Treue, die ein sozial 'Unterer' einem 'Oberen' angedeihen ließ."

Apropos "angedeihen": Äußerst grob wurden mitunter verurteilte Schwerverbrecher behandelt. In dem Buch wird eine der gebräuchlichsten Hinrichtungsmethoden, das Rädern, beschrieben. Die damaligen Richtstätte sind heute zum Teil idyllische urbane Orte, auf denen sich Wohnhäuser und Kinderspielplätze ausbreiten. (APA)

Gabriele Praschl-Bichler: "Das blieb vom Wien Maria Theresias", erschienen im Leopold Stocker Verlag.
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