Wasserwirtschaft zögerlich bei Strukturänderungen

7. Mai 2001, 14:31
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Qualitätssicherung muss Vorrang haben

Wien - Die heimische Wasserwirtschaft steht künftigen Strukturänderungen bei der Wasserver- und -entsorgung zwar "aufgeschlossen" gegenüber, die hohen Qualitätsstandards müssten aber gesichert bleiben. Die Änderungen dürften sich daher nicht ausschließlich an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz des Verbandes Gas&Wasser. Die Liberalisierung dürfe nicht zum Verkauf der Eigentumsrechte an den Ressourcen für die zentrale Trinkwasserversorgung und damit zu einer Gefährdung der zukünftigen Versorgung der Bevölkerung führen.

Ein Verkauf dieser Eigentumsrechte bedeute, dass die Einflussnahme durch die Gemeinde auf die Ver- und Entsorgungsplitik nur mehr in sehr eingeschränktem Maß mögliche wäre, die politische Verantworung hingegen weiterhin bei den Kommunen. Die freie Marktwirtschaft bleibe im Wasserbereich eingeschränkt, denn die Entscheidungsfreiheit der Kunden sei wegen der Leitungsgebundenheit der Ver- und Entsorgungsnetze nicht gewährleistet. International zeige sich, dass es bei einer Liberalisierung und Privatisierung der Siedlungswasserwirtschaft zu keinem echten Wettbewerb komme, sondern ein öffentliches durch ein privates Monopol ersetzt werde.

Technische und qualitative Probleme zu regeln

Bei einer Liberalsierung durch die Öffnung von Ver- und Entsorgungsnetzen für Dritte seien bei der Einleitung und Durchleitung sowohl technische als auch qualitative Probleme und Haftungsfragen zu regeln. So seien etwa Qualitätsfragen zu klären, wenn Wasser unterschiedlicher Zusammensetzung und Qualität von verschiedenen Anbietern in ein Versorgungsnetz eingespeist werde.

Sollte die Liberalisierung durch die Vergabe zeitlich begrenzter Konzessionen erfolgen, müsse dies auf der Grundlage exakter Leistungskataloge nach dem Bestbieter-Prinzip erfolgen. Bei der Aufrechterhaltung der Qualitätskriterien ließe sich dabei aber bisher kein Nachweis für einen wirtschaftlichen Erfolg der Konsumenten feststellen.

Eine Liberalisierung mit Wettbewerbsöffnung bis zum einzelnen Konsumenten ist für den Leiter der Sektion Wasserwirtschaft und Wasserbau im Landwirtschaftministerium, Wolfgang Stalzer, in der Siedlungswasserwirtschaft nicht möglich. Eine Lockerung der Netzmonopole bedinge Qualitätsverluste. Privatisierungen könnten jedoch positive Impulse auslösen, wobei das Gemeinwohl durch entsprechende Verträge abgesichert werden müsse.

700 Millionen Kubikmeter Trinkwasser benötigt

Der Wasserbedarf in Österreich liegt jährlich bei rund 2,6 Mrd. Kubikmetern, das sind rund 3 Prozent des gesamten Dargebotes von 84 Mrd. Kubikmeter. Für Trinkwasser werden pro Jahr rund 700 Millionen Kubikmeter benötigt, das entspricht etwa der Wassermenge des Wolfgangsees. Industrie und Gewerbe verbrauchen rund 1,7 Mrd. Kubikmeter Brauchwasser, die Landwirtschaft rund 0,3 Mrd. Kubikmeter. Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person liegt täglich bei 140 Litern.

Zentral versorgt werden in Österreich 6,97 Millionen Einwohner, das sind 87 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Versorger wird vom Verband Gas&Wasser (ÖVGW) mit insgesamt mehr als 7.800 angegeben, davon sind 1.900 kommunale Versorger, 165 Wasserverbände und 5.800 Genossenschaften. In der Verbandsstatistik werden 180 Versorger erfasst, die fast 5 Millionen Menschen mit 500 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr beliefern, die 14 größten davon versorgen 3,6 Millionen Einwohner. Etwa eine Million Österreicher wird von Hausbrunnen und kleinen Genossenschaftsanlagen versorgt.

Der Umsatz der Trinkwasserversorger belief sich im Jahr 1999 auf rund 7,8 Mrd. S (567 Mill. Euro), beschäftigt waren rund 2.500 Arbeitnehmer.

Starke Unterschiede gibt es laut Verband bei den Wasserpreisen: Der Kubikmeter Wasser kostet für den Haushalt zwischen 4,55 S und 27 S je Kubikmeter. Der durchschnittliche Preis lag 1999 bei 11,76 S je Kubikmeter. (APA)

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