Schönbrunn: Neue Visionen für Nord- und Süd-Ende des Areals

7. Mai 2001, 13:59
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Architekt Roland Rainer regt Nutzung des Gebietes südlich der Gloriette an

Wien - Schönbrunn ist Österreichs Touristenattraktion Nummer eins. Im Vorjahr drängten sich 3,5 Millionen Besucher durch Schloß und Tierpark, zählt man das gesamte Parkareal dazu, belaufen sich die Schätzungen auf mehr als sieben Millionen. Schon bald könnten es noch mehr sein - und dabei auch manche zusätzliche Attraktion geboten bekommen.

Der Architekt und Stadtplaner Roland Rainer hat im Auftrag der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft eine Studie über das Areal erstellt, die in Kürze präsentiert werden soll. Ebenfalls noch vor dem Sommer soll ein von der Wiener Stadtplanung (MA 18) beauftragter internationaler Wettbewerb über die Randzonen Schönbrunns abgeschlossen werden.

Möglichkeiten südlich der Gloriette

Beide Projekte sollen einander ergänzen, gemeinsam sind ihnen Überlegungen, die Verkehrsmisere rund um Schönbrunn in den Griff zu bekommen. "Wir wollten einfach wissen, wie das Areal in knapp zehn Jahren ausschauen könnte. Wir wollten eine Vision formuliert haben", meint Franz Sattlecker, einer der Geschäftsführer der Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft, zu der bereits Mitte des Vorjahres ergangenen Beauftragung von Roland Rainer mit einer "Schönbrunn 2010"-Studie. Rainers Visionen - auch wenn der Architektur-Doyen vor der offiziellen Präsentation noch nicht allzu viel verraten will - haben es durchaus in sich. Vor allem im südlichen Bereich des Parks sieht er erhebliche Entwicklungschancen: "Im historischen Bereich sollte man nichts anrühren, aber südlich der Gloriette gibt es eine bewaldete Fläche, die genauso groß ist", so Rainer, "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf Dauer diese Chance ungenutzt lässt."

Zwei Schnellbahnstationen

Im Zuge der Errichtung des Lainzer Tunnels sind auch zwei neue Schnellbahnstationen am Südende des Schönbrunn-Areals geplant - was neue Erschließungsmöglichkeiten ergeben würde. "Der Teil südlich der Gloriette ist eine große, große Chance", meint Rainer, der überdies anregt, das Bundesheer zumindest mittelfristig aus der dort befindlichen Maria Theresien-Kaserne abzusiedeln, da es auf Dauer nicht tragbar wäre, in unmittelbarer Nähe eines Weltkulturerbes ein "klassisches Bombenziel" (Rainer) zu belassen.

Rainer hat auch bereits ganz konkrete Vorschläge entwickelt. Dass sie keine Disneyland-ähnlichen Vergnügungsparks beinhalten, darf auf Grund seiner sonstigen Überzeugungen erwartet werden. Und auch Sattlecker, der an die Schaffung von "Angebots-Inseln" im Areal denkt, betont: "Die grüne Lunge muss auf jeden Fall erhalten bleiben".

Museumsinsel im Norden

Auch im Nordbereich soll sich manches ändern: Hier könnte sich bei gutem Willen aller Beteiligten die Verwirklichung einer bereits früher erarbeiteten Vision einer "Museumsinsel West" anbahnen. "Heute schafft man es als Tourist praktisch nicht vom Technischen Museum nach Schönbrunn hinüber", sagt Franz Sattlecker, "eine Durchgängigkeit wäre absolut wünschenswert". Die Lösung der Verkehrs- und Parkplatzprobleme scheint daher das vordringlichste Ziel für die Schloss Schönbrunn Errichtungsgesellschaft. In der Jury, die sich im Juni den Wettbewerbs-Einreichungen widmen will, ist sie jedenfalls mit Sitz und Stimme vertreten. (APA)

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