Streitobjekt Treppe

7. Mai 2001, 14:06
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Das documenta 9-Objekt am Königsplatz wurde abgerissen - nun endete der langewährende Rechtsstreit

Kassel - Im monatelangen Rechtsstreit um die im August vergangenen Jahres abgerissene "documenta"-Treppe hat sich die Stadt Kassel mit dem Treppen-Erbauer Gustav Lange auf einen Vergleich geeinigt. Lange habe seine Berufung gegen die Abriss-Erlaubnis des Landgerichts Kassel zurückgezogen, wurde am Montag mitgeteilt. Im Gegenzug übernehme die Stadt die Kosten des Rechtsstreits. Zudem habe Lange auf seine Rechte aus einer einstweiligen Verfügung gegen den Abriss verzichtet. Damit entfalle das Ordnungsgeld von umgerechnet rund 2,8 Millionen Schilling, zu dem das Kasseler Landgericht die Stadt wegen des unerlaubten Abreißens der Treppe verurteilt hatte.

Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Kassel rächte sich

Die Stadt hatte die umstrittene Holztreppe auf dem zentralen Königsplatz in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im vergangenen Sommer abgerissen, nachdem ein Landgerichtsurteil dazu wenige Tage zuvor prinzipiell Grünes Licht gegeben hatte. Allerdings hatte die Stadt die Rechtskraft des Urteils nicht abgewartet und die noch nicht aufgehobene einstweilige Verfügung aus dem Jahr 1994 übergangen. Nach dem Abriss hatte der Hamburger Landschaftsplaner und Treppenentwerfer Lange Berufung gegen die Abriss-Erlaubnis eingelegt.

Altbekannter Konflikt: Bürger gegen Kunst im öffentlichen Raum

Die Treppe, die auf einer Aussichtsplattform endete, war 1992 zur Umgestaltung des Königsplatzes auf Wunsch der Stadt gebaut worden und hatte seitdem für Auseinandersetzungen gesorgt. Wachsender Widerstand der Kasseler gegen das Bauwerk führte schon bald zu Abrissplänen. Unter Berufung auf sein Urheberrecht als Künstler konnte Lange eine Beseitigung der 1,1 Millionen Mark teuren Treppe aber jahrelang verhindern.(APA/dpa)

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