Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft für Ex-RAF-Mitglied Klump

7. Mai 2001, 13:43
posten

Frage nach drittem Täter bei versuchtem NATO-Sprengstoffanschlag weiter offen

Stuttgart - Die deutsche Bundesanwaltschaft hat für die mutmaßliche Terroristin Andrea Klump eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Die 43-Jährige habe sich der Verabredung zum Mord in Verbindung mit einem Sprengstoffanschlag, des versuchten zweifachen Mordes und der schweren räuberischen Erpressung mit Menschenraub und Geiselnahme schuldig gemacht, sagte Staatsanwalt Rüdiger Salzmann am Montag in seinem Plädoyer zum Abschluss des Prozesses in Stuttgart. Klump hatte gestanden, im Juni 1988 an einem versuchten Sprengstoffanschlag auf einen spanischen NATO-Stützpunkt beteiligt gewesen zu sein.

"Spät, aber nicht zu spät"

Klump hatte in dem Verfahren ein Teilgeständnis abgelegt. Salzmann sagte: "Es kam spät, aber nicht zu spät." Unbeantwortet sei aber die zentrale Frage geblieben, wer der dritte Täter bei dem Anschlag gewesen sei. Nach Angaben von Klump seien Palästinenser die Hintermänner gewesen und nicht die Rote-Armee-Fraktion (RAF). An dem Anschlag war nach Aussage Klumps auch der mutmaßliche Terrorist Horst Ludwig Meyer beteiligt; zu weiteren beteiligten machte sie keine Angaben.

Klump war laut Bundesanwaltschaft im Jahr 1988 mit Meyer nach Spanien, um dort einen Sprengstoffanschlag gegen NATO-Angehörige zu verüben. Ziel des Anschlags sollte das Hotel "Playa de la Luz" in Rota sein, dessen Diskothek überwiegend Militärangehörige des nahe gelegenen NATO-Flotten- und Luftwaffenstützpunktes besuchten. Am 17. Juni 1988, als das Kommando 13,5 Kilogramm Sprengstoff an einem gestohlenen Moped befestigt habe, sei jedoch ein selbstgebastelter Zünder vorzeitig explodiert, ohne dass es allerdings zu einer großen Detonation gekommen sei.

Details aus der Anklage

In der Anklage heißt es, dass die Terroristen dann zu Fuß geflüchtet seien. Bei einer Polizeikontrolle habe es einen Schusswechsel gegeben, bei dem niemand verletzt worden sei. Die Terroristen hätten dann auf einem Campingplatz ein englisches Ehepaar mit Kind gezwungen, sie in ihrem Wohnmobil nach Sevilla zu fahren. Ab Herbst 1995 hielten sich Klump und Meyer nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden in Wien auf. Bei ihrer Festnahme im September 1999 in der Bundeshauptstadt wurde Meyer erschossen, nachdem er eine Waffe gezogen hatte. Im Dezember 1999 wurde Klump nach Deutschland ausgeliefert.

Klump hatte erklärt, mit dem Anschlag sollten militärische Anlagen der US-Streitkräfte zerstört werden. Staatsanwalt Matthias Krauß sagte: "Wer keine Menschenleben gefährden will, braucht eine Bombe nicht in einem Moped verstecken." Klump war nach eigenen Angaben für die Auskundschaftung der Fluchtmöglichkeiten nach dem Anschlag zuständig. Schüsse auf die Polizeibeamten habe sie nicht abgegeben. Meyer habe auf die spanischen Beamten geschossen. Den Ermittlungen zufolge war Klump von August 1984 bis März 1998 RAF-Mitglied. Eigenen Angaben zufolge erhielt sie in Syrien eine militärische Ausbildung. Das Urteil ist für 15. Mai geplant. (APA/dpa/AP)

Share if you care.