Verbot der Nachtarbeit für Frauen vor dem Aus

7. Mai 2001, 14:50
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EU-Richtlinie für Nachtarbeit verlangt geschlechtsneutrale Regelung

Wien - Das Verbot von Nachtarbeit für Frauen steht vor dem endgültigen Aus. Zwar ist Nachtarbeit für Frauen seit 1. Jänner 1998 im Rahmen des Kollektivvertrages möglich, bis Ende 2001 muss Österreich aber entsprechend der EU-Richtlinie eine geschlechtsneutrale Regelung für die Nachtarbeit umsetzen. Eine Punktation zu einer EU-konformen Neuregelung der Nachtarbeit soll morgen, Dienstag, im Ministerrat von Wirtschaftsminister Bartenstein vorgelegt werden.

Die EU-Richtlinie sieht für Nachtarbeiter eine normale Arbeitszeit von durchschnittlich acht Stunden pro 24-Stunden-Zeitraum vor. Einer der wesentlichen Punkte ist die obligatorische Gesundheitsuntersuchung bei Antritt der Beschäftigung und danach. Bei gesundheitlichen Schwierigkeiten auf Grund der Nachtarbeit ist ein Versetzungsanspruch auf eine Tagesarbeitsstelle im Rahmen des Möglichen vorgesehen. Weiters sind zur Umsetzung der EU-Richtlinien Anpassungen des Arbeitszeitgesetzes notwendig. Österreich ist das einzige Land, dass die EU-Richtlinie für Nachtarbeit noch nicht umgesetzt hat.

Zehn Prozent arbeiten nachts

Insgesamt arbeiten in Österreich knapp 10 Prozent der Erwerbstätigen oder 360.000 Personen regelmäßig in der Nacht von 22.00 bis 06.00 Uhr, geht aus der jüngsten vorliegenden Erhebung der Statistik Austria für das Jahr 1999 hervor. Davon entfallen rund 248.000 auf Männer und 113.000 auf Frauen.

Die Liberalisierung der Nachtarbeit per 1. Jänner 1998 hat über den Kollektivvertrag Ausnahmen vom Frauen-Nachtarbeitsverbot ermöglicht. Dabei sind die Kollektivvertragspartner verpflichtet, Ausgleichsmaßnahmen für die Nachtarbeit festzusetzen. Unbedingt Rücksicht genommen werden sollte auf Betreuungspflicht gegenüber Kindern bis zu 12 Jahre. Außerdem soll ein Anspruch auf Versetzung auf einen Tagesarbeitsplatz bestehen, wenn durch die Nachtarbeit nachweislich die Gesundheit gefährdet und die entsprechenden betrieblichen Möglichkeiten für einen Wechsel gegeben sind. Möglich sind derzeit auch Zeitzuschläge für Nachtarbeit und die Bereitstellung geeigneter Transportmittel für die sichere Fahrt zum und vom Arbeitsplatz. Die bestehende Übergangsregelung läuft per 31.12.2001 aus. (APA)

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