Teil-Einsturz in Neros "Goldenem Haus"

7. Mai 2001, 14:33
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Eine Decke des antiken Gebäudes gab nach - kurz vor dem Besucher-Einlass

Rom - Im "Goldenen Haus" des römischen Kaisers Nero (37 bis 68 n.Chr.) wäre es fast zur Tragödie gekommen: Nur wenige Stunden vor der Öffnung für Besucher stürzte in einem Raum ein Teil der Decke ein. Das bestätigte Roms Chefarchäologe Adriano La Regina am Montag. Das Unglück geschah demnach in der Nacht zum Sonntag, wurde aber erst jetzt bekannt. Unter Fachleuten herrscht Presseberichten zufolge blankes Entsetzen.

Allein im vergangenen Jahr besuchten mehr als 270.000 Menschen das Domus Aurea in Rom. Es war der prunkvollste Palast der Antike, neben den Pyramiden in Ägypten eine der größten Sensationen des Altertums. Die unterirdische Anlage wurde erst 1999 nach 20-jährigen Restaurierungsarbeiten wieder für Besucher geöffnet. Trotz des Einsturzes soll sie bereits in Kürze wieder zugänglich sein.

Regenfälle schuld

Grund für das Desaster seien die außergewöhnlich heftigen Regenfälle in diesem Jahr. Zudem gefährdeten die mächtigen Wurzeln der Bäume über dem Domus Aurea dessen Stabilität. Archäologen schlagen Alarm: "Auch in den Kaiserforen gibt es Probleme mit dem Abfluss des Wassers." Erst vor drei Wochen war ein Teil der antiken Aurelianischen Mauer im Süden Roms eingestürzt.

Ausgerechnet im spektakulärsten Raum, dem Oktogonsaal mit Kuppelöffnung, gab die Decke nach. Einst präsentierte sich hier Nero auf einer drehbaren Bühne. Der "verrückte Kaiser" habe sich auf einem Thron sitzend mit der Leier in der Hand den Betrachtern als Sonnengott gezeigt; Sklaven streuten vom Oberlicht Blütenblätter auf den Herrscher. Der römische Schriftsteller Sueton überliefert: "Der Saal drehte sich um sich selbst, bei Tag und bei Nacht, nach dem Vorbild des Erdballs."

Hintergrund

Nero hatte seine Kaiservilla nach einem Brand auf der Asche Roms in den Jahren 64 bis 68 errichten lassen. Der Kaiser lebte allerdings nur etwa fünf Monate in der mit Gold, Edelsteinen und Elfenbein überzogenen Prachtanlage, ehe er mit 31 Jahren Selbstmord beging. Die Residenz mit einem künstlichen See an der Stelle des späteren Kolosseums wurde nie vollendet.

Eine Arbeitsgruppe aus Archäologen und Architekten legte Medienberichten zufolge bereits im Dezember einen Notfallplan vor. In der gesamten Zone um den Colle Oppio in Rom seien Maßnahmen zur Instandsetzung für umgerechnet 1,76 Mrd. S erforderlich. (APA/dpa)

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