Sonderfall multinationale Arbeitsgruppen

14. Mai 2001, 15:40
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Was ist der richtige Umgang mit kulturellen Unterschieden?

Wien - Kulturelle Unterschiede in multinationalen Arbeitsgruppen sind gleichzeitig hoch-emotional besetzt, aber auch abstrakt und schwer zu fassen. Wie mit Problemen mit fremden Kulturen umgegangen werden kann, zeigt die Organisationsberaterin und Trainerin Christiane Müller bei ihrem Workshop "Lust auf Grenzen?!" gemeinsam mit einer Theatergruppe.

"Wenn Unterschiede in multinationalen Arbeitsgruppen fruchtbar gemacht werden sollen, ist es wichtig, einerseits kulturelle Unterschiede zu fokussieren und sie andererseits wieder bewusst aus den Augen verlieren zu können", so die Expertin für interkulturelle Kompetenz. "Kultur ist emotional, abstrakt und ein unbewusster, umfassender Orientierungsrahmen dafür, was in spezifischen sozialen Situationen richtiges, kompetentes, plausibles Handeln bedeutet. Wenn Verhaltenserwartungen gebrochen werden, kommt es häufig zu Stereotypisierung. Damit wird Kultur zu einer quasi-persönlichen Eigenschaft", so Müller. Kultur diene auch oft als Projektionsfläche, sozusagen als Tabu-Zone "gute" Adresse für Zuschreibungen aller Art.

Kultur alleine erkläre aber nicht die Situation. "In sozialen Situationen wird eine Vielzahl von Faktoren wirksam. Dabei spielt Kultur nur als ein Einflussfaktor eine Rolle", meint die Trainerin. Einige frühere Workshops hätten gezeigt, dass viel Zeit für die Beziehungsbildung aufgewendet werden müsse. "Mit Hilfe der Theatergruppe, die das wiedergeben, was im Raum gesagt wurde, können auch andere Unterschiede herausgearbeitet werden. Diese können eine Bearbeitung auf einer anderen Ebene unterstützen. Damit sollen Situationen auf eine Ebene gebracht werden, die durch weniger Emotionen verhandelbarer werden." Zugleich werden dabei auch Gemeinsamkeiten erkannt. Strukturell ergebe sich auch noch die Chance gewisse Unterschiede kulturspezifisch anzupassen", so Müller. (pte)

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