"Wir sind Micky Maus in diesem Konzert"

7. Mai 2001, 12:52
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In der Steiermark bangt man um die Zukunft des Österreich-GPs

Wien - Zuschauer-Zahlen, Wertschöpfung und die Begeisterung für den Sport sprechen für sich. Die Formel 1 in Österreich ist unverzichtbar. 2002 läuft der sechsjährige Vertrag aus und die Bemühungen um eine Verlängerung des Vertrags laufen seit zehn Monaten auf Hochtouren. Steiermarks Landesrat Gerhard Hirschmann hofft sehr, dass es bis spätestens Sommer 2001 auch zu einem formalen Abschluss der Vertrags-Verlängerung kommt. "Wenn es heuer zu keiner Verlängerung kommt, ist es zu spät. Und wenn der Grand Prix ein Mal weg ist, kommt er nie wieder."

Optimistischer Geist

Optimistischer ist A1-Ring-Geschäftsführer Hans Geist. "Ich sehe eher ein technisches Problem, weil derzeit noch unklar ist, wer welche Rechte verkaufen darf." Im Raum steht eine Verlängerung bis 2008, mindestens jedoch bis 2006. "Und bis 2006 glaube ich nicht, dass ein anderes Land eine neue Rennstrecke aus dem Boden stampft." Ein dritter F1-GP in Deutschland oder Italien (da gäbe es bestehende Strecken) sei eher unwahrscheinlich. Geist: "Alle Gespräche bisher waren sehr positiv und immer auf langfristige Lösungen aus. Wir sind bereits in der Detailplanung für 2003, also gehe ich davon aus, dass es weiter einen Grand Prix bei uns gibt.

"Micky Maus im Konzert"

Hirschmann sieht die Formel 1 in Österreich nach wie vor "von der internationalen Präsenz her neben dem Neujahrs-Konzert als das Ereignis Österreichs schlechthin." Er warnt aber auch: "Für Bernie Ecclestone gibt es keinen wirtschaftlichen oder ökonomischen Grund, in Österreich zu fahren. Wir sind Micky Maus in diesem Konzert und was er bei uns verdient, verdient er überall auf der Welt."

Freude für den Finazminister

Hirschmann baut daher eher auf "irrationale" Argumente. "Ecclestone hat irgendwie einen Narren gefressen an uns. Ich will gar nicht genau wissen, warum das so ist. Aber sicherlich kommt auch dazu, dass in vier Jahren perfekt organisiert wurde, unser GP wie Monaco eben kein 08/15-Rennen ist, vom Sponsor und vom Fernsehen (ORF) her alles perfekt ist und wir eine Bundesregierung haben, die voll dahinter steht." Außerdem, so Hirschmann: "Allein die Besucher aus Deutschland haben dem Finanzminister mehr Geld gebracht als der Ring uns gekostet hat. Der Finanzminister ist bisher der ganz große Profiteur."

Auch Geist unterstreicht daher die Dringlichkeit, die Formel 1 in Österreich zu halten. "Eine Rennstrecke hier zu vermarkten ist nicht so einfach, weil es in Europa viel Konkurrenz gibt." Obwohl es seit Bestehen der Strecke (1996) keinen einzigen fatalen Unfall gegeben hat, hat man allein seit dem Vorjahr 15 Mio S in Reparaturen (fünf Mio) und die Erfüllung der FIA-Auflagen (zehn Mio) gesteckt. Geist: "Unser Ring ist eine extrem moderne und gut gepflegte Strecke. Wenn der Druck der Formel 1 weg fällt, droht die Gefahr eines Dornröschen-Schlafes und das langsame Absterben der Qualität." (APA)

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