Stunk um die Cheops-Pyramide

7. Mai 2001, 12:43
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Zwei Hobby-Archäologen suchen nach einer geheimen Kammer - mit der Bohrmaschine

Gizeh - Zahi Hawass, der Direktor des Pyramidenplateaus von Gizeh, ist wütend. Was den sonst so freundlichen Ägyptologen in Rage bringt, sind zwei französische Hobby-Archäologen, die der vor 4.600 Jahren erbauten Cheopspyramide, der größten Ägyptens, mit gezielten "Bohrungen" ein Geheimnis entlocken wollen. Jean-Yves Verd'hurt und Gilles Darmion vermuten, nach Untersuchungen mit einem Radar, dass es neben den bekannten zwei Kammern noch mindestens eine weitere, bisher verborgene Kammer gibt. Sie wollen von der ägyptischen Archäologiebehörde deshalb eine Untersuchungserlaubnis.

"Wackelige Hypothese"

Für Hawass ist die Theorie der Franzosen völliger Nonsens. "Sie haben nichts weiter als eine wackelige Hypothese und überhaupt keine Beweise", wettert er. Der Pyramidendirektor will die Bohrungen an der letzten Ruhestätte des 2. Königs der 4. Dynastie deshalb um jeden Preis verhindern. "Nur über meine Leiche", zischt er. Noch heute wurmt ihn, dass die ägyptische Archäologiebehörde französischen Technikern 1986 erlaubt hatte, mehrere Löcher in die Kalksteinquader der Pyramide zu bohren. Auch damals ging es um angebliche geheime Schatzkammern. Gefunden wurde allerdings nur Sand und Mörtel. "Stellen Sie sich doch nur einmal vor, was in Frankreich los wäre, wenn ein Ägypter plötzlich Löcher in den Louvre bohren wollte", poltert der Hüter der Gizeh-Pyramiden.

Auch der ehemaligen Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, Rainer Stadelmann, kann dem französischen Vorhaben nichts abgewinnen. "Hinter den Steinen des Korridors kann es möglicherweise Hohlräume geben, die aus bautechnischen Überlegungen heraus entstanden, aber sicher keine geheimen Kammern", meint der deutsche Archäologe, der Anfang der 90er Jahre die für den Aufstieg des Königs zum Himmel konstruierten so genannten Luftkanäle der Cheopspyramide untersucht hatte. Zahi Hawass meint, dass die von den Franzosen gemessenen "Anomalien" an verschiedenen Steinquadern möglicherweise auf Risse zurückzuführen sind, die entweder schon beim Bau oder durch Erdbeben entstanden sein könnten.

Geplündert - oder doch nicht ganz?

Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den Sieben Weltwundern der Antike. Das Innere der ursprünglich 146,6 Meter hohen Cheopspyramide, der heute die Spitze fehlt, ist fast leer und wurde wahrscheinlich von Grabräubern geplündert. Bekannt sind die große Grabkammer, eine unterirdische Sargkammer, die so genannte Große Halle und die Königinnenkammer.

In der Grabkammer des Pharao steht nur noch der 2,30 Meter lange leere Granitsarkophag ohne Deckel. Über den Verbleib der Mumie ist nichts bekannt. Die Verkleidungen der Cheopspyramide und der seines Sohnes Chephren wurden im 14. Jahrhundert unter Sultan Hassan abgebrochen.

In den vergangenen Jahrzehnten hatte es immer wieder Archäologen und Hobby-Forscher gegeben, die annahmen, dass die Architekten der Cheopspyramide die heute bekannte große Grabkammer nur zur Irreführung von Grabräubern errichten ließ und dass die eigentliche Grabkammer in dem gigantischen Bauwerk an anderer Stelle versteckt ist. Konkrete Hinweise darauf gibt es jedoch nach Ansicht der meisten Fachleute bis heute nicht. (APA/dpa)

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