Laudas Ziel: "Im dritten Jahr Rennen gewinnen"

7. Mai 2001, 13:10
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Die Ikone des heimischen Motorsports zum Österreich-GP, Jaguar und dem ausbleibenden Erfolg

Wien - 1971 hat Niki Lauda auf dem Österreichring in einem March sein erstes Formel 1-Rennen bestritten, 1985 dort seinen Rücktritt erklärt. Nun kommt der dreimalige Weltmeister als Jaguar- Formel-1-Chef auf den neuen A1-Ring zurück. Der 52-jährige Wiener gibt im folgenden Interview, veröffentlicht auf der Jaguar-Internet-Homepage (www.jaguar-racing.com), einen Rückblick und Ausschau.

Ist das "Heimrennen" etwas Besonderes für Sie?

Lauda: "Nein. Es ist einfach ein weiteres Rennen im Kalender. Die Erwartungen und das Interesse sind natürlich hoch, speziell bei den heimischen Medien. Aber das war schon damals so. Ich habe hier 1985 meinen Rücktritt erklärt, also hat es schon eine emotionale Bedeutung."

Was sind Ihre lebendigsten Erinnerungen an den Österreich-GP?

Lauda: "1984 bei meinem Sieg hatte ich in der letzten Runde keinen dritten Gang mehr und ich bin nur weiter gefahren, weil ich zu faul war, zu Fuß an die Boxen zurück zu gehen. Auf dem Podium hat mir dann Nelson Piquet unterstellt, ich hätte nur mit ihm gespielt und sicher wieder Gas gegeben, wenn er mich zu überholen versucht hätte. Ich habe ihm geantwortet, er sei ein Idiot. Damals habe ich die WM mit einem halben Punkt Vorsprung gewonnen, es war unglaublich."

Sie leben nun in London und arbeiten Fulltime in der Premier Automotive Group (PAG). Was genau ist Ihr Job dort. Lauda: "Das ist einfach. Wolfgang Reizle ist Boss der PAG mit ihren Luxus-Marken Volvo, Aston Martin, Land Rover und Jaguar. Die Motorsport-Abteilung der PAG ist die Premier Performance Division und dort liegt meine Verantwortung. Jaguar ist derzeit die einzige Marke, mit der PAG Motorsport betreibt und mein Job ist, die Synergien zwischen Jaguar-Racing, Cosworth und Pi-Electronics voran zu treiben."

Sie sind also nicht wie vielfach gemeint wird, Jaguar-Teamchef?

Lauda: "Nein, da wird viel Unsinn geschrieben. Ich bin nicht der Chef von Jaguar-Racing, das ist Bobby Rahal. Und ich bin auch nicht hier, um das Rad neu zu erfinden. Ich manage die ganze Gruppe. Ein gutes Beispiel für die Koordination dieser drei Abteilungen ist die Entwicklung der Traktionskontrolle."

Sie gelten aber nicht gerade als Freund der elektronischen Fahrhilfen.

Lauda: "Ich will nicht den Eindruck eines Konservativen machen, der in der Vergangenheit stecken geblieben ist. Aber zu meiner Zeit lag alles in den Händen der Fahrer und die Menschen sehen auch heute noch die Formel 1 als die Krönung des Motorsports an. Ich denke, wir sollten weiterhin alles tun, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Traktionskontrolle, Automatik- Getriebe und Launch-Control sind nicht das, was ich mir als höchste Herausforderung im Motorsport vorstelle."

Jaguar hat nach fünf Rennen keinen WM-Punkt. Wann kommt endlich der Erfolg?

Lauda: "Unsere derzeitige Herausforderung heißt Verbesserung des Aerodynamik-Pakets, daran arbeitet Rahal so intensiv, dass wir hoffentlich bald in Reichweite von Punkten kommen. Wir besprechen derzeit verschiedene Konzepte für das nächstjährige Auto und meine Ambition ist, in meinem dritten Jahr Rennen zu gewinnen. Für die laufende Saison müssen wir unseren Piloten einfach ein besseres Auto geben." (APA)

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