Verbotene Antibiotika angeblich in Garnelen nachgewiesen

7. Mai 2001, 16:51
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Laut Greenpeace würden schon "seit längerem" Nachweise von Rückständen vorliegen und verheimlicht

Wien - Die Diskussionen um angebliche Antibiotika-Funde in Garnelen gehen weiter: Laut Greenpeace soll "seit längerem" der Nachweis von Rückständen in diversen Produkten vorliegen. Die Umweltorganisation warf Gesundheitsminister Herbert Haupt (F) heute vor, die Ergebnisse zu verheimlichen. In vier Fällen seien Untersuchungen positiv gewesen - das in der EU verbotene Antibiotikum Chloramphenicol konnte nachgewiesen werden.

"Minister Haupt nimmt mit seiner skandalösen Vertuschungspolitik bewusst eine Gesundheitsgefährdung der Österreicher in Kauf," sagte Nina Thüllen, Meeresbiologin bei Greenpeace Österreich. Die Organisation verlangt ein Importstopp für die Produkte. "Vollkommen unverständlich ist auch, dass entgegen der gesetzlichen Lage bisher keine einzige Anzeige gegen die betroffenen Firmen eingeleitet wurde."

Bereits Anfang Februar wurde Alarm geschlagen

Anfang Februar hatte Greenpeace Alarm geschlagen: Bei Analysen von Shrimpsprodukten sei das Antibiotikum Chloramphenciol gefunden worden. Daraufhin ordnete Haupt ebenfalls Untersuchungen dieser Warenpalette an. Das Resultat würde Befürchtungen, bei den Testergebnissen handle es sich "lediglich um die Spitze eines Eisbergs", bestätigen, betonte Greenpeace.

In der EU sind Rückstände von Chloramphenicol in tierischen Nahrungsmitteln streng verboten. Bereits geringste Mengen sind laut Greenpeace z.B. im Stande, eine Schädigung des Knochenmarkes auszulösen. Seit Jahren weisen Umweltschützer auf den massiven Einsatz von Chemikalien in der industriellen Krustentier- und Fischproduktion hin. In vielen Herkunftsländern sei die Gesetzgebung diesbezüglich unzureichend oder fehle gänzlich.

"Zwar wird der Import von Aquakulturprodukten in die EU kontrolliert, aber bei weitem nicht ausreichend", kritisiert Greenpeace. Nach einer für die FAO erstellten Studie werde maximal eine Probe auf 100 Tonnen untersucht. Thüllen dazu: "Es liegt klar Kontrollversagen vor. Eine Gesundheitsgefährdung beim Verzehr dieser Produkte kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Nur ein Importverbot für Shrimps aus tropischen Zuchtbetrieben kann dies gewährleisten."

Laut Haupt-Sprecher: Keine Vertuschung

In der Diskussion um Funde von Antibiotika in Garnelen wies am Montagnachmittag der Sprecher von Gesundheitsminister Herbert Haupt (F), Gerald Grosz, die Greenpeace-Vorwürfe zurück: Die Überprüfung aller auf dem österreichischen Markt befindlichen Shrimps sei auf Ministerweisung bereits seit dem 15. Februar erfolgt. Bisher liegen von 320 Stichproben 209 abschließende Ergebnisse vor: Während in 204 Fällen Chloramphenicol nicht festgestellt werden konnte, wiesen fünf Proben geringe Spuren des Antibiotikums auf, teilte Grosz mit.

Bei dem nachgewiesenen Antibiotikum handle es sich um einen Verstoß gegen eine entsprechende EU-Verordnung, seitens des Ministeriums habe man daher veranlasst, dass bei den zuständigen Verwaltungsbehörden Anzeigen getätigt werden. Von "Vertuschen" könne keine Rede sein, so Grosz. Seit dem Amtsantritt von Gesundheitsminister Haupt würden auf Grund etwa der Problematik rund um BSE oder die Maul- und Klauenseuche verstärkte Kontrollen durchgeführt. Erst auf Grund der ausgeweiteten Überprüfungstätigkeit sei man bei Shrimps in fünf Fällen fündig geworden: "Der Vorwurf, dass hier lasch kontrolliert wird, stimmt nicht." (APA)

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