Molterer um Entschärfung des Temelin-Konflikts bemüht

7. Mai 2001, 11:41
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Am Samstag soll in Prag ein Treffen mit Kavan stattfinden

Wien/Linz - Umweltminister Wilhelm Molterer (V) wird am Samstag in Prag mit dem tschechischen Vize-Ministerpräsidenten und Außenminister Jan Kavan den Konflikt um das südböhmische Atomkraftwerk Temelin erörtern. Besprochen werden sollen die Umsetzung der von Österreich geforderten Gesamt-Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das AKW sowie die Fortsetzung der in Melk zwischen Tschechien und Österreich vereinbarten Maßnahmen. Das Treffen in Prag kommt auf Initiative Molterers zustande.

Molterer hatte vergangene Woche bei einem Gespräch mit EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen deponiert, dass Tschechien weitere Dokumente zur Umweltverträglichkeitsprüfung zur Verfügung stellen müsse. Bei diesen von Österreich angeforderten Dokumenten geht es um fehlende Daten zu etwaigen Alternativen für das AKW und um Szenarien für schwere Atomunfälle. Jiri Hanzlicek, Mitglied der tschechischen UVP-Kommission, hatte "weitere Informationen" in Aussicht gestellt. Allerdings wolle Prag gegenüber Molterer klar machen, dass es den im April vorgelegten UVP-Bericht für ausreichend erachte.

Bundesregierungen und EU "müssen Ausstiegshilfen anbieten"

Die österreichische Bundesregierung und die EU müssten Tschechien nun Ausstiegshilfen für das AKW Temelin anbieten, forderte der oberösterreichische SPÖ-Landesvorsitzende, Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider, am Montag in einer Aussendung. Damit könnte der Bau von Gaskraftwerken finanziert werden, um mit deren Erlösen die Temelin-Kredite zu bedienen.

Nicht einmal Atom-Hardliner glaubten noch, dass "dieser Schrottreaktor jemals wirtschaftlich betrieben werden könnte", betonte Haider. Allein der Austausch der Turbinen koste umgerechnet sechs Milliarden Schilling, die bisherigen Kosten für das gesamte AKW schätzt Haider auf rund 36 Milliarden Schilling. Auch der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin habe am Wochenende erklärt, dass zwei Gaskraftwerke für Tschechien sinnvoller wären als ein Atomkraftwerk. (APA)

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