Baskische Sprache und Schule beidseits der Pyrenäen

7. Mai 2001, 11:02
posten

Euskera war unter Franco verboten - In Spanien Aufschwung, in Frankreich steigendes Interesse

Bilbao/Bayonne/Wien - Das Gebiet der baskischen Kultur und Sprache ist zwischen Spanien und Frankreich aufgeteilt. Spanisch bzw. Französisch haben gegenüber dem Baskischen (Euskera) bei weitem die Oberhand, von Zweisprachigkeit ist keine Rede. Bis 1979 hatte das Baskische in Spanien keinen gesetzlichen Status. Die Mehrheit der Basken, rund 70 Prozent, spricht gar nicht Baskisch, schätzungsweise 0,5 Prozent sprechen nur Baskisch. Alle anderen Basken beherrschen Spanisch bzw. Französisch. Etwa ein Viertel spricht zusätzlich Baskisch, weitere rund 15 Prozent verstehen es.

Eine 1997 unter rund 6.500 Basken durchgeführte Befragung beiderseits der Pyrenäen machte deutlich, dass Baskisch im Südwesten Frankreichs zurückging, während in Nordspanien ein positiver Trend registriert wurde. In der Autonomen Region und auch in der Provinz Navarra nahm die Zahl Baskisch-Sprechender zu. Obzwar Baskisch für die Mehrheit nicht die Muttersprache ist, wird Euskera von den spanischen Basken im öffentlichen Leben und auch in der Freizeit mehr verwendet als früher, meinte Angel M. Unzueta, Sprachwissenschafter der Universität Bilbao.

Das Euskera wurde jahrhundertelang mündlich überliefert. Erst im 16. Jh. entstand eine literarische Tradition. Im Lauf der Jahrhunderte ging das baskische Sprachgebiet, das in viele Dialekte aufgesplittert ist, ständig zurück. Unter Franco war Baskisch, selbst baskische Namen, verboten. 1955 sprachen noch 700.000 Basken (von 2,5 Millionen) Euskera, 1955 nur mehr knapp eine halbe Million. Erst mit der Demokratisierung Spaniens und dem Autonomiestatut ließ sich der Zerfall bremsen. Heute werden die Baskophonen im Süden auf 580.000, im Norden auf 120.000 geschätzt.

Mit dem Autonomiestatut, das im Oktober 1979 per Volksabstimmung für das spanische Baskenland angenommen wurde, wurde Euskera als offizielle Sprache anerkannt. Im November 1982 verabschiedete das Parlament in Vitoria das "Normalisierungsgesetz" zum Gebrauch der baskischen Sprache, das Baskisch dem Spanischen gleichstellt. Auch die nicht baskophone Bevölkerung plädierte für eine Förderung des Euskera; ein Drittel davon war für Baskisch als Amtssprache, ein weiteres Drittel für konsequente Zweisprachigkeit.

Die erste Autonomieregierung unter dem PNV-Politiker Carlos Garaikoetxea (1980 bis 1985) widmete sich besonders der Sprachpolitik. Das Schulsystem im spanischen Baskenland bietet drei Optionen, wobei Schulen mit kastilischer Unterrichtssprache und einigen Wochenstunden Baskisch überwiegen. Im zweiten Typus erfolgt der Unterricht zweisprachig. Den einsprachig baskischen Schultyp, der Kastilisch als zweite Landessprache führt, besucht rund ein Viertel der Schüler.

In Frankreich hingegen wird das baskische Schulwesen nicht öffentlich gefördert. Dem Schulverband Ikastolak unterstehen 23 private Schulen; er beklagt das Fehlen staatlicher Hilfen. Alle zwei Jahre wird in allen Basken-Gebieten, von Vitoria bis Bayonne, eine "Korrika" organisiert, ein "wanderndes" Volksfest mit dem Zweck, Geld für baskische Bildungsstätten aufzutreiben. Laut dem Baskischen Kulturinstitut Bayonne sprechen 64 Prozent der Basken in Frankreich kein Euskera, unter Spaniens Basken wuchs der Baskophonen-Anteil in den letzten zehn Jahren von 32 auf 41 Prozent.

Eine Studie des Forschungsinstituts CNRS von 1999 bestätigt das wachsende Interesse der französischen Basken für ihre Sprache. Der Experte Bernard Cerquiglini sieht darin keine Gefahr für die französische Identität, wie sie von den zentralistisch orientierten Politikern gerne heraufbeschworden wird, sondern einen Vorteil, wenn die Menschen ihre Probleme in der eigenen Sprache artikulierten können. (APA)

Share if you care.