Novartis schluckt Fünftel von Roche

7. Mai 2001, 18:31
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Einstieg bei Basler Rivalen kostet Pharmakonzern fast 45 Milliarden Schilling

Basel - Der Schweizer Pharmagigant Novartis steigt beim ebenfalls in Basel beheimateten Konkurrenten Roche ein. Novartis übernahm nach eigenen Angaben vom Montag 20 Prozent der Roche-Inhaberaktien zu 151 sfr (97,8 Euro/1.346 S) pro Stück oder insgesamt 4,83 Mrd. sfr (3,13 Mrd. Euro/43,1 Mrd. S). Beide Seiten betonten, der Einstieg sei nicht der erste Schritt zu einer Fusion. Novartis-Vertreter liessen aber erkennen, dass sie einem solchen Vorhaben nicht abgeneigt wären. Dagegen liessen die Roche-Gründerfamilien, die in einem Aktienpool 50,1 Prozent der Aktien halten, erklärten, es gebe keinen Anlass die Mehrheit abzugeben.

Novartis-Chef Daniel Vasella nannte die Transaktion "eine langfristige finanzielle Investition von strategischer Ausrichtung". Die Frage einer Fusion liess Vasella in einem Interview von Radio DRS offen. Er will Roche Zeit geben, sich auf die neue Lage einzustellen. "Wenn ein Partner den anderen drängt, endet das meistens nicht sehr gut", sagte Vasella auf die Frage nach einer "Pharma-Ehe in Basel". Die Beteiligung eröffne langfristig strategische Möglichkeiten, sagte Novartis-Finanzchef Raymund Breu im Gespräch mit Reuters. Novartis habe das Paket nicht in andere Hände fallen lassen wollen. Novartis werde den Kaufpreis aus den vorhandenen Mitteln begleichen.

Pharma-Bereich wuchs weniger als die Branche

Der Roche-Konzern hatte in der jüngeren Vergangenheit ein wenig an Glanz verloren. Der Hauptbereich Pharma wuchs weniger als die Branche und Kritiker hielten Roche vor, es habe zu wenig neue Produkte in der Pipeline. Auch das Schlankheitsmittel Xenical schaffte zuletzt nicht die Wachstumsraten, die Roche sich erhofft hatte.

Verkäufer der Aktien ist die BZ-Gruppe des Schweizer Bankiers Martin Ebner, der Roche wiederholt als zu wenig aktionärsfreundlich kritisiert hatte. Die BZ hat das Paket über lange Zeit aufgebaut und dürfte einen größeren Gewinn realisiert haben, auch wenn der Preis deutlich unter dem Höchstkurs früherer Jahre liegt. Die Gruppe werde den Erlös zum Auf- und Ausbau von Positionen verwenden, sagte BZ-Sprecher Kurt Schiltknecht.

Auch wenn eine Fusion für Börsianer praktisch als sicher gilt und Händlern mit "Rochartis" und "Novroche" auch bereits Namen für den vereinigten Konzern zu Hand hatten, wollte das Roche-Management von einer Fusion weniger wissen. Konzernchef Franz Humer erklärte: "Wir haben einen Wechsel bei einem der Aktionäre. Abgesehen davon ändert sich für uns nichts". Die Frage einer Fusion stehe "zu diesem Zeitpunkt nicht im Raum". Roche wolle das organische Wachstum vorantreiben und sei weiter offen etwa für Übernahmen und strategische Allianzen. Immerhin komme Roche zu einem Investor, der das Geschäft und die Schweizer Verhältnisse sehr gut kenne.

Übernahme- oder Tauschwährung

Falls eine Fusion nicht möglich wäre, könnte Novartis das Roche-Paket eines Tages bei einer anderen Transaktion als Übernahme- oder Tauschwährung einsetzen, erklärte ein anderer Analyst. (APA/Reuters)

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