Französische Basken wollen ein eigenes Departement

7. Mai 2001, 10:11
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Jugendgruppe "Haika" hat auch in Pyrenees-Atlantiques Zulauf - Kampf um Sprachenrechte - Grenzüberschreitende Initiativen

Bayonne/Wien - Die militanten Aktionen baskischer Nationalisten spielen sich im autonomen spanischen Baskenland ab. Doch auch nördlich der Pyrenäen regen sich baskische Gruppen, die mehr Rechte für ihre Sprache und vor allem ein eigenes Basken-Departement im zentralistischen Frankreich fordern. Trotz der Absenz einer öffentlichen Förderung registrierte 1999 eine Studie wachsendes Interesse der Bevölkerung an den Regionalsprachen. Und die Pariser Presse stellte im Vorjahr voll Sorge fest, dass die Jugend in Pyrenees-Atlantiques an der Sache der Unabhängigkeit, die südlich der Grenze propagiert wird, immer mehr Geschmack finde.

Traditionell galt die "Iparretarak" als Separatistenorganisation der baskischen Jugend in der Südwest-Ecke Frankreichs. Auf ihr Konto gingen diverse Sprengstoffanschläge im Vorjahr. Im April 2000 wurde in Cambo-les-Bains ein französisch-baskischer Ableger der spanisch-baskischen Jugendorganisation "Haika" gegründet, die in nordspanischen Städten den Straßenkampf orchestriert. In der neuen Gruppe schlossen sich Anhänger der auf spanischer Seite existierenden "Jarrai" und der 1994 auf französischer Seite gebildeten "Gasteriak" zusammen.

Die "Haika" definiert sich als "unabhängig, baskophon, sozialistisch und revolutionär". Die Medien gehen von rund 3.000 militanten Mitgliedern aus. Zwar steckt die grenzüberschreitende Kooperation noch in den Kinderschuhen, doch es existiert eine gemeinsame Kommission, gebildet aus den vier Süd- und den drei Nord-Provinzen. Am "Table du Nord" sitzen die Vertreter der 17 lokalen französisch-baskischen Gruppen.

Eine grenzüberschreitende Initiative war die "Versammlung von Euskal Herria" auf Gemeinde-Ebene, die im Februar 1999 in Pamplona in Navarra stattfand und radikale wie gemäßigte Basken-Parteien zusammenführte. Rund 700 Delegierte, Bürgermeister und Gemeinderäte aus den spanischen Provinzen (Guipuzcoa, Alava und Vizcaya) sowie aus Navarra und aus den französischen Provinzen (Labourd, Basse-Navarre und la Soule) nahmen daran teil. Der Vizebürgermeister von Biarritz, Jakes Abeberry, sprach von einer Kooperation im Einklang mit dem Aufbau eines gemeinsamen Europa. Die Vertreter der spanischen Euskal Herritarok, des politischen Flügels der ETA, äußerten sich weniger "europäisch".

Reservoir für ETA-Terroristen

Da die "Haika" auf politischen Aktionismus setzt, wurden Befürchtungen laut, die französisch-baskische Jugendorganisation könnte ein Reservoir für ETA-Terroristen werden. Polizeikreise schließen nicht aus, dass die "kampferprobten" radikalen Kameraden aus dem Süden in der Bewegung die Oberhand gewinnen. Im Herbst wandten sich die jungen Nationalisten in einer Kampagne an französische Jungwähler und präzisierte ihre Ziele: Förderung der baskischen Sprache, Zusammenlegung politischer Gefangener und Schaffung eines eigenen Departement Pays Basque.

Für ein baskisches Departement haben sich verschiedene regionale Bewegungen, unter ihnen die Union Democratique Bretonne und die korsische Union Scelta Nova, sowie die Grünen Frankreichs eingesetzt. Seit 1999 fanden in Bayonne mehrfach Kundgebungen statt, um diese Forderung zu unterstreichen. Die nationalistische Partei Abertzaleen Batasuna (AB) verlangte auch die "Ko-Offizialisierung der baskischen Sprache" neben der allmächtigen Amtssprache Französisch.

Die unter Präsident Francois Mitterrand schon 1981 ventilierte Idee eines Basken-Departement beantwortete Jacques Chirac 1999 mit einem kategorischen Nein. Im März 2000 lehnte der damalige Innenminister Jean-Pierre Chevenement eine administrative Neuordnung ab. Für die RPR-Chefin und Bürgermeisterin von St.Jean-de-Luz, Michele Alliot-Marie, ist die konziliante Strategie der im spanischen Baskenland regierenden moderat nationalistischen Partei PNV falsch; Konzessionen an die ETA könnten ein Überschwappen der Gewalt auf die französischen Basken-Provinzen begünstigen.

Doch zumindest den Kampf um mehr sprachliche Rechte wollen die Basken wie auch andere ethnische Gruppen in Frankreich, das offiziell gar keine Minderheiten kennt, nicht aufgeben. Im Juni 2000 richteten politische Gruppen aus der Bretagne und Korsika, sowie Grüne und prominente Künstler einen Appell an die Pariser SP-Regierung, "unsere Sprachen leben zu lassen": Frankreich möge die Verfassung ändern und die Europa-Charta für Regionalsprachen ratifizieren. In einem Punkt sind sich die Regierungen in Paris und Madrid einig: Eine rechtlich verbindliche Grundrechte-Charta ist für beide nicht unterschreibbar, denn dann müssten sie auch ihren jeweiligen Basken weitgehende Rechte zugestehen. (APA)

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