Fernando Savater: "Perversion im Baskenland beginnt schon früh"

7. Mai 2001, 10:04
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"ETA steht am Ende der Gewaltspirale" - "Gesellschaft von klein auf zu Toleranz erziehen"

Vitoria/Wien - Dass der Alltag im spanischen Baskenland mühsam ist, weiß der spanische Philosoph und Zeitungskolumnist, Fernando Savater, aus eigener Erfahrung. "Die am stärksten leiden, sind ganz normale Menschen, die in den Dörfern leben. Wenn die öffentlich sagen, was sie denken, sich kritisch über den Nationalismus äußern, bekommen sie Probleme und müssen unter Umständen das Baskenland verlassen", umreißt der Sprecher des Friedensforums "Basta Ya" ("Jetzt reicht es"), der früher an der Universität in San Sebastian lehrte, in der deutschen Hispanistik-Zeitschrift "tranvia" die Lage.

"Die Perversion beginnt schon früh. ETA ist nur die letzte Instanz einer Gewaltstruktur, die schon viel früher einsetzt. ETA kommt ja nicht von irgendwoher, das sind ja keine Außerirdischen", meint Savater. "Die Perversion beginnt mit der Feindschaft gegenüber allen, die sich als Spanier definieren, das beginnt in der Schule, geht weiter über Leserbriefe, die Nicht-Nationalisten als 'Feinde des baskischen Volkes' denunzieren, bis hin zu Brandstiftungen gegen Banken und Linienbusse. Erst am Ende dieser Gewaltspirale steht die ETA. Aber die Gewaltstrukturen werden von auf den ersten Blick ganz friedlichen Menschen gelegt."

Um Abhilfe zu schaffen, müsse man bereits bei den Allerjüngsten anfangen, ist Savater überzeugt. "Die Toleranz in einer so vielschichtigen Gesellschaft wie der baskischen muss von klein auf anerzogen werden. Aber es wird doch schon den Allerkleinsten erzählt, dass das Baskenland ein besetztes und unterdrücktes Land sei und dass die Hälfte der eigenen Bevölkerung zur Besatzungsmacht gehört. Das ist historisch falsch und politisch verhängnisvoll."

Die Separatistenorganisation ETA hat für Fernando Savater ihre Existenzberechtigung bereits mit dem Tod von Dikator Francisco Franco im November 1975 verloren. "Da sind die Leute, die wirklich für die Freiheit und gegen Franco, nicht gegen Spanien, gekämpft haben, ausgestiegen. Seither kämpft de ETA nur für ihre eigene Dikatur, die noch grausamer ist." (APA)

Tranvia, Postfach 303626, D-10727 Berlin. Tranvia@aol.com
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