Dicke Luft im Ringen um die Chefsessel in der Telekom

6. Mai 2001, 20:20
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ÖIAG und Telecom Italia uneinig über neues Führungsteam

Die Feuerprobe für den designierten, neuen ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis wird das Sorgenkind der Staatsholding, die Telekom Austria (TA). Der Mannesmann-Manager muss das nicht enden wollende Ringen um ein neues Management für die Telekom Austria (TA) rasch zu einem Ende bringen. Wie aus ÖIAG-Aufsichtsratskreisen verlautet, soll Michaelis von ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz möglichst bald den Aufsichtsratsvorsitz in der TA übernehmen.

Alles sucht

Die Suche nach Nachfolgern für das zum Abschuss freigegebene TA-Management unter Heinz Sundt gestaltet sich allerdings ähnlich schwierig wie jenes für die Verstaatlichtenholding selbst. So galt es in der ÖIAG, die 47,8 Prozent der TA-Aktien verwaltet, bereits als so gut wie fix, dass der Schweizer Papiermanager Ernst A. Häberli in der TA-Aufsichtsratssitzung am 29. Mai zum neuen Vorstandsvorsitzenden des angeschlagenen Telekomriesen bestellt wird.

Nun mehren sich Zweifel, denn der Schweizer Manager, der bei Boston Consulting Karriere gemacht und zuletzt beim US-Papierserviettenhersteller Fort James gemanagt hat, sei an einem Engagement bei der TA zwar sehr interessiert, es gäbe aber einige Knackpunkte, heißt es. So sei die Entlohnung im internationalen Vergleich geradezu bescheiden - Nochgeneraldirektor Heinz Sundt soll es inklusive Erfolgsprämie auf ein Jahressalär von rund sechs Millionen Schilling bringen.

Weit schwerer wiegt dem Vernehmen nach aber, dass Miteigentümer Telecom Italia (29,8 Prozent) über die Wahl der ÖIAG für den TA-Chefsessel nicht gerade glücklich sein soll. Wie berichtet, war Häberli bereits Ende April in Rom vorstellig geworden.

Alles fließt

Gröbere Probleme gibt es auch bei den anderen Vorstandsnominierungen, insbesondere beim Finanzvorstand. Diese steht den Italienern zu, wird aber massiv von der ÖIAG betrieben. Gerüchten zufolge soll TI-Präsident Roberto Colaninno die Ablöse von Finanzchef Stefano Colombo an die Bedingung geknüpft haben, die ÖIAG müsse garantieren, dass sie für den Schaden haftet, falls die TA-Sanierung schief geht.

Ex-Wolford-Finanzvorstand Karl-Michael Millauer dürfte aus dem Rennen um einen TA-Vorstandssessel sein. "Ich weiß nicht, wo diese Gerüchte herkommen." Er wolle beim Salzburger Wasseraufbereiter BWT bleiben, "das ist eine Superfirma und eine große Herausforderung für mich." Sein Chef, Andreas Weißenbacher, legt noch eins drauf: "Langfristig wird die BWT sicher erotischer sein als die anderen Firmen, für die Millauer im Gespräch war."

TA-Technikchef Rudolf Fischer könnte - wie sein Chef Sundt - durch einen Schweizer ersetzt werden. Reto Held, Swisscom-Vorstand für Network Services, könne allerdings nicht vor September nach Wien wechseln, und selbst das stehe noch in den Sternen, heißt es in Bern.

Von ÖIAG- und TA-Aufsichtsratschef Johannes Ditz war dazu nur der Stehsatz "Vorstandsfragen werden nicht kommentiert" zu entlocken. Er wolle erst Gespräche mit den betroffenen Personen führen und die entsprechenden Gremien befassen. Auch eine TI-Sprecherin gab das gewohnte "no comment" ab.

Nicht gerade zimperlich geht Telecom Italia auch mit ihren Aktionären um. Die jüngste Hauptversammlung in Turin, bei der der Umtausch stimmrechtsloser Sparaktien in Stammaktien genehmigt wurde, ist ein Fall für die Chronik der italienischen Hauptversammlungen.

Alles paletti

So antwortete TI-Chef Roberto Colaninno auf die Frage eines Kleinaktionärs, wer für die Schuldverschreibungen der TI-Mutter Olivetti garantiere, lapidar: "Niemand garantiert." Und zu Gordon Singer, Manager des US-Fonds Liverpool, sagte Colaninno, dass er bessere Arbeit leisten könnte. Singer hatte dem gelernten Buchhalter vorgeworfen, mit der Umtauschaktion "Raub am helllichten Tag" zu begehen. Der Plan sieht vor, dass die Aktionäre mindestens 5,25 Euro pro Sparaktie in bar bezahlen, um eine konventionelle Aktie zu erhalten, wenn der Kurs der TI-Aktie über 12,50 Euro liegt. Die Tauschaktion soll den Schuldenberg der TI um bis zu 10,8 Mrd. EURO (149 Mrd. S) verringern. (Luise Ungerboeck und Thesy Kness-Bastaroli - Der Standard Printausgabe)

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