Ernstzunehmende Konkurrenz für SuSE und Co.

7. Mai 2001, 19:26
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Linux Mandrake 8.0 im WebStandard-Test

Urspünglich eine Red-Hat basierende Distribution, hat sich die Linux-Variante des französischen Herstellers MandrakeSoft von Release zu Release immer weiter emanzipiert und eigene Stärken entwickelt. Vor allem "einsteigerfreundlich" ist ein Begriff, der in den Testberichten der Version 7.x häufig zu lesen war. Nun liegt Mandrake 8.0 vor, und die Erwartungen sind recht hoch, können sie erfüllt werden?

Die gelieferte Ausstattung kann sich ja schon mal sehen lassen: Mit Kernel 2.4.3, Xfree86 4.0.3, KDE 2.1.1, und Gnome 1.4 haben wir die - bis dato - aktuellste Linux-Version vor uns.

Installation

Ein Punkt an dem bereits viele Linux-Neueinsteiger das Handtuch werfen ist die Installation des Betriebssystems. Hier hatte Mandrake schon immer seine Stärken, und das zeigt sich auch bei der neuen Version: So einfach und problemlos war wohl bisher noch keine Distribution zu installieren. Alles läuft praktisch automatisch ab, nur ein paar Fragen müssen beantwortet werden, und der neue-User bekommt ein fertiges Betriebssystem geliefert. Auch die Verkleinerung einer vorhandenen Windows-Partition - um Platz zu schaffen - klappte problemlos, ebenso die Installation des Boot-Loaders Lilo - oder alternativ GRUB - der in Zukunft beim Hochfahren des Rechners die Auswahl des Betriebssystems übernimmt. Schon etwas mit Linux bekanntere Zeitgenossen müssen auch keine Angst haben, schließlich bietet die Installation auch einen Experten-Modus, in dem wesentlich mehr Einstellungen den individuellen Wünschen angepasst werden können. Insgesamt also sehr gute Werte für die Installation, lediglich die häufigen Fehler in der deutschen Lokalisierung nervten etwas.

Post-Installation

Der erste Test: Linux fährt hoch und alles funktioniert augenscheinlich ohne Probleme. Auffällig ist gleich die grafische Darstellung des Bootprozesses, die standardmässig zwar einigermassen optisch ansprechend ist, im Gegensatz zum normalen Textmodus allerdings recht wenig Informationen bietet. Das lässt sich jedoch später ohne Probleme im neugeschaffenen zentralen Einstellungsprogramm "Mandrake Control Center" wieder ab- bzw. in einen aussagekräftigeren grafischen Modus umstellen. Alle Geräte wurden bei unserem Testrechner problemlos erkannt, ein äußerst erfreuliches Ergebnis also. Nachjustiert mußte lediglich der Maustreiber werden, da das Rad der USB-Maus nicht erkannt wurde, obwohl dies bei der Installation angegeben wurde. Aber auch diese Einstellung läßt sich bequem im Mandrake Control Center vornehmen. Alles andere funktionierte einwandfrei, sogar die Internet-Verbindung über einen Gateway-Rechner klappte von Anfang an.

Die Softwareausstattung unter der Lupe

Dass Mandrake - wie schon oben erwähnt - softwaremässig up-to-date ist, wirkt sich zum Glück auch nicht negativ auf die Stabilität des Systems aus, alles scheint gut getestet zu sein. Einen Vorsprung gegenüber anderen Distributionen verschafft sich die Distribution vor allem durch die Integration des User-Desktops Gnome 1.4, der seit Version 1.2 beeindruckende Fortschritte gemacht hat, vor allem dank des neuen Filemanagers Nautilus, der - allen Unkenrufen zum Trotz - auf dem Testsystem stabil lief, lediglich die Performance läßt von Zeit zu Zeit etwas zu wünschen übrig. Um Systemeinstellungen vorzunehmen ist das bereits erwähnte "Mandrake Control Center" vorhanden, in dem sich sehr einfach Handlungen wie das Verändern der Bildschirmauflösung, das Einstellen von Zeit und Datum, abere auch wesentlich komplexere Dinge wie das Ändern der Netzwerkeinstellungen erledigen lassen. Ebenfalls dort kann eine Firewall eingerichtet werden, die ihren Dienst dann auch bereits nach der automatischen Konfiguration äußerst zufriedenstellend verrichtet. Hier macht sich also die Unterstützung von MandrakeSoft für das Bastille-Linux-Projekt bereits positiv bemerkbar. Auch neu ist der Softwaremanager, der Updates direkt aus dem Internet von den verschiedenen Mandrake-Mirrors besorgen und installieren kann. So können dann gleich die ersten Sicherheitsaktualisierungen durchgeführt werden, denn z.B. die in Mandrake 8.0 enthaltene Samba-Version weist eine Sicherheitslücke auf, die schnellstens behoben werden sollte. MandrakeSoft bietet auch bereits entsprechende Updates an. Für Freude sorgt auch die bereits bei der aus dem Internet downloadbaren Version (zwei Iso-Files = 1,3 GB) reichliche Ausstattung: So sind für Freunde von Alternativen nicht nur KDE und Gnome sondern auch noch ein Haufen anderer Window Manager enthalten, der Webbrower Mozilla, der übrigens mittlerweile wesentlich schneller und zuverlässiger läuft als Netscape 6, ist in Version 0.8.1auch dabei. Ebenso gibt es die vollständigen Gnome und KDE-Office-Pakete, wobei letzterers noch etwas unausgereift wirkt. Dafür sei explizit auf die Textverarbeitung AbiWord verwiesen, die gegenüber früheren Versionen kräftige Fortschritte gemacht hat. Eine spezielle Erwähnung soll auch der "Outlook Express für Linux" (natürlich ohne dessen Sicherheitslücken und Macken) Evolution erhalten, der in einer Preview-Version enthalten ist, und jetzt schon sehr vielversprechend arbeitet.

Fazit

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Linux Mandrake 8.0 ist im Moment schlicht und ergreifend die beste erhältliche Linux-Distribution. Sie ist einsteigerfreundlicher, aktueller und vollständiger als die Konkurrenz von SuSE, Red Hat & Co. Auch das rundherum-Angebot ist top: So gibt es im Mandrakeforum stets aktuelle Infos und Tipps zur Distro, auf MandrakeCampus können kostenlose Trainingskurse genommen, auf MandrakeExpert können fragen an Besserwissende gestellt werden und MandrakeUser hat viele Tipps und Tricks zu allfälligen Problemen (oder Wünschen). Wer sich einen Überblick über die neuen (und alten) Features von Mandrake verschaffen möchte kann dies in mehreren auf der Mandrake-Homepage verfügbaren Touren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Bemühungen für MandrakeSoft auch in eine Steigerung des Marktanteils - gerade auch im deutschsprachigen Markt - auswirken werden. (apo)

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