Christdemokraten auf fünf Listen aufgeteilt

6. Mai 2001, 19:29
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Zwei unterstützen Rutelli, zwei Berlusconi

Keiner verehrt Helmut Kohl so wie Rocco Buttiglione. Mit Genehmigung des damaligen Bundeskanzlers taufte er seine Partei CDU (Cristiano-Democratici Uniti). Seine Hoffnung, sich damit auch dem Wahlerfolg Kohls annähern zu können, blieb stets enttäuscht. Doch jetzt kann er wieder optimistisch sein. In einem Brief schreibt Helmut Kohl, das Rechtsbündnis steuere "auf einen großen Erfolg" zu. Die Kampagne gegen Berlusconi zeige, dass "leider viele in Europa aus der skandalösen Vorgangsweise gegen Österreich nicht gelernt" hätten.

Rocco Buttiglione ist als Unterrichtsminister der Regierung Berlusconi im Gespräch. Der sechssprachige Philosoph ist der Rechtsaußen unter Italiens Christdemokraten, die mit fünf verschiedenen Parteien in die Wahl gehen. Der erzkatholische Professore mit besten Beziehungen zum Vatikan war der letzte Parteichef der Partito Popolare vor der Spaltung. Sein Bündnispartner Ferdinando Casini wirkt eher wie ein Schüler Buttigliones, obwohl auch er aus der ehemals allmächtigen Democrazia Cristiana kommt. Der stets braun gebrannte und auf sein untadeliges Aussehen bedachte Parteichef des Christdemokratischen Zentrums (CCD) ist öfter in den Klatschspalten der Zeitungen zu finden als im Vatikan-Sprachrohr Osservatore Romano. Den beiden Bündnispartnern Berlusconis traut man zusammen rund acht Prozent der Stimmen zu.

Den Parteisitz der ehemaligen Christdemokraten auf der römischen Piazza del Gesú teilt sich Buttiglione mit dem Partito Popolare Italiano (PPI), der jedoch Mitte-links angehört. Die vor allem in Süditalien verankerte christdemokratische UDEUR unterstützt ebenfalls Francesco Rutellis Ölbaum-Bündnis.

Giulio Andreottis neue Partei Democrazia Europea kämpft als unabhängige Kraft gegen das bestehende Mehrheitswahlrecht, das große Bündnisse deutlich bevorzugt. Zu Andreottis Kandidaten gehören ehemalige DC-Größen wie der frühere Ministerpräsident Emilio Colombo, der gute Chancen hat, mit 81 Jahren erneut in den Senat gewählt zu werden. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 7. 5. 2001)

STANDARD- Mitarbeiter Gerhard Mumelter aus Rom
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