Der Papst in der Moschee - von Gudrun Harrer

7. Mai 2001, 11:23
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Papst Johannes Paul II. hat sich seine Sehnsucht nach der angeblich heiligen, auf alle Fälle blutgetränkten Erde des Nahen Ostens - blutgetränkt, gerade weil sie mehr als einer Religion heilig ist - also noch erfüllen können.

Seine Reise nach Israel voriges Jahr war nicht nur eine Unterstreichung des theologischen Weges, den die römisch-katholische Kirche in den vergangenen Jahrzehnten im Verhältnis zum Judentum gegangen ist; als Visite des Oberhauptes eines westlichen Staates, der Israel erst 1994 anerkannt hat, war sie auch politisch brisant. Mit Syrien, dem einzigen nahöstlichen, de facto islamischen Land, das den Islam nicht als Staatsreligion in der Verfassung hat, und seinem - bei der Papstrede am Samstag sichtlich gelangweilten - jungen Staatschef Bashar al-Assad hat der Vatikan weiter keine Probleme (eine wahre Erholung nach der mit Händen greifbaren Spannung in Griechenland, aber das ist ein anderes Kapitel). Johannes Pauls Besuch in der Omayyaden-Moschee in Damaskus ist jedoch in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Diese Moschee, in der Johannes der Täufer begraben liegt, ist nicht irgendeine. Sie ist auch ein Symbol des Sieges des Islam über die alten Religionen in der Region.

An Verletzungen hat man einander im Laufe der Jahrhunderte viele zugefügt, wie üblich hatte die ältere Religion theologisch mehr Probleme mit der jüngeren als umgekehrt (auch wenn der Koran nicht nur freundlich mit den Christen umzugehen pflegt - wie uns das einige islamische Friede-Freude-Eierkuchen-Apologetiker weismachen wollen). Als große Sensation galt jüngst der Besuch von Kardinal Schönborn im schiitischen Gottesstaat Iran, als Zeichen für eine Öffnung vonseiten der gestrengen Mullahs. Dabei ist es gerade umgekehrt, geändert hat sich im christlich-islamischen Verhältnis vor allem der Vatikan. Bleibt offen, ob das auch Auswirkungen auf die westlichen "Muezzin statt Bummerin"-Ängste haben wird. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 7. 5. 2001)

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