Heiraten braucht Mut, denn Pferd frisst Hut

6. Mai 2001, 22:38
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Eine Musiktheater- Farce von Nino Rota, erstmals in Österreich

Wien - Seit zweihundert Jahren ist die Welt beeindruckt vom sexgetriebenen Don Giovanni, davon, was ihm Dichter Da Ponte innerhalb nur eines Tages an Abenteuern zu bewältigen aufgibt. Nino Rota lässt es die Hochzeitstruppe um Fadinard und Elena aber noch bunter treiben. Nach dieser anstrengenden Tour quer durch Schlösser, Hutgeschäfte, Gewitterstürme und Gefängnis dürfte so manchem die Lust am Heiraten vergangen sein.

Der Wunsch aller: Wann geht dieses Fest endlich vorüber! Dabei fing alles so normal an: eine melodisch und harmonisch immer mal ausscherende Ouvertüre (sehr gut das Orchester der Kammeroper unter Paul Weigold), ein noch zu verkraftender Schwiegervater, eine hübsche Braut, eine lustige Hochzeitsgesellschaft, wenn ... Ja, wenn das Pferd des Helden Fadinard (überzeugend Alessandro Cosentino) nicht den an einem Strauch hängenden, mit Mohnblumen geschmückten Florentinerhut von Anaide Beaupertuis (keck Christina Tannous) gefressen hätte!

Die, da sie in Begleitung eines Husarenoffiziers (kernig Sergio Miguel Cattaneo) war, kompromittiert wäre, wenn sie ihrem Ehemann (souverän Marco Tirilli) ohne Hut unter die Augen treten müsste. Natürlich: Nach Zwischenfällen findet sich doch unter den Hochzeitsgeschenken ein dem verlorenen genau gleichender Strohhut. Die Ehre der Dame ist gerettet, und Fadinard kann sich nun um seine Frau und die längst erschlaffte Gesellschaft kümmern.

Das Erstaunlichste an der selten gehörten Musikfarce von Nino Rota ist nicht die bewusst planlose Handlung, sondern die Vertonung. Rota, Komponist von über 180 Filmstreifen, Partner Fellinis, hat den flockigen Dialogen eine passende klangliche Gestalt gegeben. Er "frotzelt" das Publikum, indem er die Musik seiner überzeichneten Spießbürgerkarikaturen parodiert. Da gibt es die Figaro-Leichtigkeit in der Ouvertüre, die Rossini-Oktavsprünge und -Koloraturen in Arien der Braut, das Komtur-Gedröhn beim Schwiegervater und Verismo-Schluchzen bei Fadinard.

In Cappello di paglia, noch bis 12. Juni auf dem Programm, schöpft Rota aus Bekanntem und sogar Trivialem, das er aber nobilitierend umgestaltet. Warum Kunst nicht mal so auftischen?
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 5. 2001)

Von
Beate Hennenberg

Kammeroper,
Wien 1.,
Fleischmarkt 42,
512 01 00.
19.30
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