Italiens Autogrill will Wienerwald-Restaurants in Österreich "abholzen"

6. Mai 2001, 18:46
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Traditioneller Markenname soll jetzt verschwinden

Rom - Der weltweit größte Anbieter in der Reisegastronomie, die italienische Autoraststätten-Gesellschaft Autogrill, will ihre 14 Wienerwald-Restaurants in Österreich tief greifend erneuern. Nach Angaben der Schweizer Autogrill-Tochter Passaggio, die für den österreichischen Markt zuständig ist, soll im Rahmen einer Umstrukturierung die Marke Wienerwald schrittweise durch Autogrill ersetzt werden.

"Wienerwald ist die Vergangenheit, Autogrill ist die Zukunft. Wir wollen nicht nur den Namen ändern, sondern achten sehr genau auf Service und Qualität", sagte Passaggio-Sprecher Gian Willi im Gespräch mit der APA. Die Anpassung von Wienerwald an das Autogrill-Modell wird schätzungsweise ein paar Jahre beanspruchen.

Autogrill will auch mit seiner Pizza-Fastfoodkette Spizzico nach Österreich expandieren. In Italien hat sich die Kette bereits als Renner erwiesen. "Spizzico hat ein hervorragendes Konzept und Pizza ist immer sehr gefragt", sagte Willi. In Italien gebe es bereits 140 Restaurants dieser Art. Spizzico soll bald in ganz Europa präsent sein.

Umsatzsteigerung

Im vergangenen Jahr meldete Autogrill eine Umsatzsteigerung um 14 Prozent auf drei Mrd. Euro (41,3 Mrd. S) und eine Gewinnsteigerung um 17 Prozent auf 365 Mio. Euro. Bis zum Jahre 2002 rechnet man mit einem Konzernumsatz von 3,4 Mrd. Euro.

Rund die Hälfte der Umsätze stammt derzeit aus den Autobahnrestaurants, 38 Prozent aus dem Flughafengeschäft und zwölf Prozent aus den städtischen Restaurantbetrieben.

Der zur Benetton-Bekleidungsgruppe gehörende weltgrößte Anbieter in der Reisegastronomie hatte die 14 Wienerwald-Raststätten im Mai 1997 übernommen. Damit wurde auch das Ende des Hendl-Imperiums in österreichischer Hand eingeläutet. Mit den Raststätten sei das Herzstück der Gruppe abgegeben worden, hieß es.

Dreieinhalb Jahre später, im Dezember 2000, trennte sich die Bank-Austria-Tochter Wigast auch vom Rest der Systemgastronomie-Kette Wienerwald. Als Käufer der 29 Wienerwald-Filialen in Österreich trat im Dezember vorigen Jahres die Altacon GmbH auf, eine Managementberatungsfirma aus Düsseldorf, die in Deutschland auch Industriebetteiligungen besitzt und mit Wienerwald erstmals ein Auslandsengagement einging.

Wienerwald Österreich erzielte im abgelaufenen Jahr mit 565 Beschäftigten einen Umsatz von knapp 350 Mio. S.

Wesentlich größer ist Wienerwald Deutschland, wo mit rund 700 Arbeitnehmern verteilt auf 62 Filialen und 42 Franchisenehmern im Jahr 2000 mehr als 550 Mio. S umgesetzt wurden.

Zu Beginn dieses Jahres zeigte Autogrill auch Appetit auf die österreichischen Rosenberger-Autobahnrestaurants, später wurden diese Ambitionen allerdings wieder dementiert. (APA/red/DER STANDARD, Printausgabe 7.5.2001)

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