Banken regeln Samstagsöffnung

6. Mai 2001, 18:47
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Die anderen Kreditinstitutsgruppen warten auf das neue Ladenschlussgesetz

Wien - Von den fünf Gruppen der österreichischen Kreditwirtschaft - Banken, Sparkassen, Raiffeisen-, Volks- und Hypobanken - haben bisher nur die Banken eine Regelung mit der Gewerkschaft wegen der Samstagsöffnung erreicht. Wie die Vorsitzende des Bawag-Zentralbetriebsrats, Ingrid Streibel-Zarfl, im Gespräch mit dem STANDARD erklärte, ist ein entsprechendes Zusatzabkommen zum Kollektivvertrag ausverhandelt und soll in den nächsten Tagen unterzeichnet werden.

Die Vereinbarung sieht vor, dass sich die Samstagsöffnung ausschließlich auf Einkaufszentren und Einkaufsstraßen beschränkt und dass ausschließlich das Privatkundengeschäft betrieben wird. Maximal zehn Prozent der Geschäftsstellen jeder Bank sollen am Samstag offen halten können.

Für die Bankangestellten ist die Samstagsregelung durchaus lukrativ. Auf Basis der 38,5-Stunden-Woche erhalten sie für den kompletten Samstagsdienst bis 17 Uhr neben dem 100-prozentigen Überstundenzuschlag noch 1000 S (72,67 EURO). Bei kürzerer Arbeitszeit entsprechend weniger. Sie brauchen auch nicht mehr als zwei Samstagsdienste pro Monat machen.

Mehr Freizeit

Auf Basis der 36-Stunden-Woche wird der Samstagsdienst mit mehr Freizeit abgegolten. Angestellte, die sich dafür entscheiden, brauchen in Zukunft nur noch vier Tage pro Woche arbeiten. Streibel-Zarfl sprach denn auch von einer "recht guten Lösung für beide Seiten".

Ebenso zufrieden zeigte sich der Generalsekretär des Bankenverbandes, Franz Ovesny. Er gab auch zu, dass das Problem der Samstagsöffnung für den Bankensektor wegen der Creditanstalt (CA) besonders vordringlich gewesen sei. Die CA betreibt bereits fünf Bankenshops in Einkaufszentren, wobei das Samstagsgeschäft wegen der fehlenden Einigung mit der Gewerkschaft bisher ausschließlich mit leitenden Angestellten betrieben werden kann. Außer der CA hat nur die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich zwei Bankenshops in Einkaufszentren. Eine Klage der Arbeiterkammer wegen "Bruches der Arbeitsruhe am Samstagnachmittag und wegen unlauteren Wettbewerbs" hat das Institut in erster Instanz bereits gewonnen.

Grundsätzlich setzt Raiffeisen jetzt allerdings auf das neue Ladenschlussgesetz, das Wirtschaftsminister Martin Bartenstein noch heuer durchbringen will. Demnach sollen alle Geschäfte von Montag, null Uhr, bis Samstag. 17 Uhr, offen halten können, solange die Obergrenze von 72 Stunden pro Woche nicht überschritten wird.

Der Geschäftsführer des Fachverbandes für Raiffeisenbanken, Andreas Pangl, geht davon aus, dass damit auch das Thema der Bankenöffnung am Samstagnachmittag abgedeckt ist. Schließlich hätten die Verhandlungen mit der Gewerkschaft bisher kein Ergebnis gebracht. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 7.5.2001)

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