Wieder Mehrheit der Österreicher für Gemeinschaftswährung

7. Mai 2001, 12:27
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Notenbank-Vize- gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell: Vertrauen wächst nur langsam

Wien - Die Mehrheit der Österreicher begrüßt wieder den Euro. 53 Prozent aller Österreicher stimmen der neuen Einheitswährung zu, stellte sich bei der jüngsten und noch nicht offiziell publizierten Umfrage des "Eurobarometers" in den EU-Mitgliedsstaaten heraus. Die Stimmung ist zugunsten des Euro gekippt.

Das Eurobarometer wird zweimal im Jahr erhoben, im Frühjahr und Herbst. Die jüngste Umfrage wurde im Herbst 2000 durchgeführt. Das Stimmungstief vom Frühjahr 2000 ist damit zwar überwunden: Damals votierte mit 48 Prozent nur mehr die Minderheit für die neue Einheitswährung. Doch die 58 Prozent Zustimmung, die sich im Herbst 1999 noch für den Euro gefunden hatten, ist noch nicht erreicht.

Skeptisch

Gertrude Tumpel-Gugerell, Vizegouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank, hat im Gespräch mit dem STANDARD dafür eine Erklärung: "Stabilitätsländer wie Österreich oder Deutschland sind gegenüber anderen Währungen zunächst einmal skeptisch. Erst langsam wächst das Vertrauen." Die auf Preisstabilität orientierte Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) habe auch dazu beigetragen, diese Skepsis zu zerstreuen.

Die Frage, ob die EZB bei ihrer nächsten Sitzung diese Woche die Leitzinsen senken wird oder nicht, wollte die Top-Bankerin naturgemäß nicht beantworten. Persönlich rechnet die soeben von der Frühjahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgekehrte Vizegouverneurin aber eher damit, dass die Amerikaner ihre Leitzinsen weiter senken und damit ihr überraschend starkes Wirtschaftswachstum im ersten Quartal unterstützen wollen.

Bei der Inflation in der Eurozone und speziell in Österreich zeichne sich "eine gewisse Erleichterung" ab, allerdings nur, wenn die Lohnabschlüsse "wie bisher im Rahmen" bleiben. Das Abflachen der Teuerung verlaufe aber langsamer als erwartet, vor allem deshalb, weil der Ölpreis nicht so schnell gesunken ist, wie es die Prognosen unterstellten.

Vehement drängt die Vizegouverneurin auf die Nutzung der New Economy. "Ihr Potenzial ist nicht zu unterschätzen, auch wenn es jetzt etwas realitätsnaher eingeschätzt wird." Um es zu nutzen, müsse mehr in Forschung und Bildung investiert werden.

Die ÖNB geht mit gutem Beispiel voran, investiert in die Qualität ihrer inzwischen auf 950 Mitarbeiter geschrumpften Belegschaft und fördert über den Forschungsfonds wissenschaftliche Arbeiten.

Stolz ist Tumpel-Gugerell auf die Tatsache, dass die ÖNB bei der Forschung im Vergleich mit zehn europäischen Notenbanken Rang vier einnimmt, nach Finnland, Holland und der EZB selber. (Lydia Ninz, DER STANDARD, Printausgabe 7.5.2001)

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