Ein Dialog als Fake: Morak und Holender

7. Mai 2001, 21:32
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"Zukunft der Oper in Wien"

Wien - Vor wenigen Tagen soll es in der Galerie Steinek eine denkwürdige Begegnung gegeben haben: Bei einer Vernissage habe der Künstler Julius Deutschbauer, der seinen Kampf gegen die Brau AG und die ÖVP-FPÖ-Regierung als Selbstdarsteller auf Plakaten führt, Staatssekretär Franz Morak die Hand geschüttelt. "Wie geht es Ihnen als Staatssekretär?", soll Morak gefragt haben. "Gut. Und selbst, Herr Staatssekretär?", will der Aktivist geantwortet haben.

Der Beginn einer Freundschaft wird das Zusammentreffen dennoch nicht gewesen sein: Seit einigen Monaten inszeniert Deutschbauer zusammen mit seinem Freund Gerhard Spring kulturpolitische Diskussionen, an denen laut Ankündigung immer Morak und ein wechselnder Gesprächspartner teilnehmen, obwohl die Betroffenen selbst davon gar nichts wissen. Denn Deutschbauer übernimmt den Part von Morak, und sein Freund springt für Peter Weibel ein oder Agnes Husslein oder Ursula Krinzinger.

Vergangenen Freitag folgte Teil sechs: Als Vorprogramm zur Premiere Frankfurter süß für Don Quijote diskutierte man mit Ioan Holender über "Die Zukunft der Oper in Wien". Die Doppelconférence fand aber nicht, wie geplant, im Schauspielhaus statt (die Direktion dürfte Angst vor der eigenen Courage bekommen haben), sondern kurzerhand im Gasthaus Landsknecht.

Thema des Gesprächs - wie alle anderen eine ins Groteske überhöhte, mit Sprachspielereien gewürzte Collage diverser Originalzitate - war naturgemäß die Verlängerung des Vertrages von Staatsoperndirektor Holender bis 2007, die unter dem Decknamen "Budget 2002" verlautbart worden war. Und so sagte Springs Holender: "Seiji (Ozawa) und ich werden unsere Amtszeit nicht mit Moses und Aron beschließen müssen." Worauf Deutschbauers Morak ergänzte: "Aber wie Moses und Aron: mit biblischen Amtszeiten." Zur Krönung plane er, verriet der Direktor, die Uraufführung eines Auftragswerkes, des Balletts Budget 2007, in dem die Paragraphen 12 und 28 des Bundestheaterorganisationsgesetzes nur so tanzen würden: "Das ist eine wirkliche Nummer, die hier abgezogen wird."

Am 28. Mai sollen die sechs Dialoge in der Edition Selene als Buch erscheinen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 5. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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