Stauwarnschilder und 50-Kilometer-Garantie

6. Mai 2001, 19:04
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Risiko Autobahn: Sanierung und Sicherheitsmaßnahmen im Dreiländervergleich

Wien/Berlin/Bern - Das österreichische Autobahnnetz kostet - wollte man es heute erneut bauen - 220 Milliarden Schilling (15,9 Milliarden EURO). Für die Sanierung der maroden Fahrbahnen wird, wie berichtet, pro Jahr bis zu einem Prozent dieses Wertes ausgegeben. Für heuer sind 1,8 Milliarden Schilling budgetiert. Was für die heimischen Autofahrerklubs bei weitem zu wenig ist. Doch wie sieht es in Österreichs Nachbarländern aus?

In Deutschland gibt es keine staatliche Straßenbaugesellschaft. Der Bund stellt den Ländern für Autobahnen Geldmittel zur Verfügung. Die 16 deutschen Bundesländer haben Straßenbauverwaltungen, die von der Wartung bis zur Ausschreibung neuer Projekte alles übernehmen. Bauen tun private Firmen.

Da das 12.000 Kilometer lange Grundnetz der deutschen Autobahnen - so wie das der österreichischen - noch aus den 30er- und 40er-Jahren stammt, muss sukzessive saniert werden. Dabei wird meist auch eine dritte Spur errichtet.

Deutschland setzt auf Sicherheit

"Die Straße wird der Verkehrsträger Nummer eins bleiben", vermutet Staatssekretärin Angelika Mertens. Deshalb lege Deutschland beim Ausbau der Straßeninfrastruktur - allein in diesem Jahr sind Investitionen von umgerechnet 75,6 Milliarden Schilling geplant - besonders großen Wert auf die Beseitigung von Engpässen.

Gleichzeitig werden "dynamische Verkehrsbeeinflussungsanlagen" wie Stauwarnschilder oder Nebelwarnleuchten ausgebaut, bis Ende 2001 auf rund 1100 Kilometern der Bundesautobahnen. Diese Anlagen reduzieren laut Mertens die Unfallhäufigkeit um 20 bis 50 Prozent. Insgesamt will der Bund heuer umgerechnet 154 Millionen Schilling für Verkehrssicherheit ausgeben.

Spitzenreiter in Sachen Autobahnen ist die Schweiz. In kaum einem anderen Land der Welt ist das - 1700 Kilometer lange - Autobahnnetz derart gut ausgebaut. "Die Anzahl der Todesopfer pro Personenkilometer ist auf Autobahnen sechsmal niedriger als auf Überlandstraßen", berichtet Beatrice Ruckstuhl von der Berner Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Dies habe verschiedene Gründe: begonnen bei Wildschutzzäunen, die lückenlos aufgestellt sind und die Gefahr von Kollisionen mit Wildtieren mindern, über einheitliche Signalisierung - Stauanzeiger und Radarkontrollwarnungen - bis hin zu einem Tempolimit von 120 km/h.

Vor allem aber hilft die regelmäßige Sanierung der Straßen, erst gar keine Schlaglöcher, Spurrillen oder andere Beeinträchtigungen der Fahrbahn entstehen zu lassen. "Derzeit werden jährlich rund 400 Millionen Franken für die Sanierung der Autobahnen eingesetzt", erklärt Michael Gehrken vom Bundesamt für Straßen in Bern. Das entspricht etwa 3,6 Milliarden Schilling. Ein Betrag, der mittelfristig nicht mehr ausreichen könnte: "Zunehmend müssen ältere und teurere Strecken unterhalten werden", sagt Gehrken.

Schweiz: Sanierung alle zehn Jahre

Die Schweizer Autobahnen gehören dem Staat. Finanziert werden sie wie in Österreich durch Steuern - die Vignette kostet aber nur umgerechnet 360 Schilling im Jahr. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer wird zusätzlich durch ein koordiniertes und langfristig geplantes Sanierungsprogramm gewährleistet. "Es werden jeweils längere Abschnitte gesamtsaniert und dann während zehn Jahren nicht mehr angetastet. Zwischen zwei Baustellen sollen die Lenker dann mindestens 50 Kilometer freie Fahrt haben", erläutert Gehrken. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 5. 2001, afs/ kbo)

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