Sinowatz: "Das wird eine Modellregion"

7. Mai 2001, 17:25
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Der Altkanzler über die Zukunft nach der Osterweiterung

Neufeld an der Leitha - Wenn Fred Sinowatz von der Geschichte erzählt, der burgenländischen im Speziellen, dann lächelt er. Nicht ironisch, sondern leidenschaftlich, als wolle er zeigen, dass man ihn mit diesem Thema am richtigen Fuß erwischt hat.

Die 80-jährige Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich ist ein aktuelles Thema, 1921 kam diese ungarische Provinz - Sinowatz: "Wir waren immer Ungarn, gar keine Frage" - zum westlichen Nachbarn. Aber wie von selbst läuft das Gespräch zum Thema Osterweiterung. Denn diese Zukunft sei in den alten, 1000 Jahre lang gewachsenen regionalen Strukturen zu finden, weshalb für den Altkanzler der Satz von Willy Brandt auch fürs Burgenland und seine ungarischen Nachbarregionen Geltung hat: "Es wächst zusammen, was zusammengehört."

Drei nationale Regionen werden es sein, die laut Fred Sinowatz von diesem allmählichen Wiederzusammenwachsen betroffen sein werden, "dann wird diese Region von damals, dieses Westungarn von Pressburg bis zur slowenischen Grenze, wieder eine Realität werden".

Nicht nur ein wünschenswerter Zustand wäre das, sondern ein unumgänglicher. Das Burgenland habe mit dem EU-Beitritt Österreichs ein "einmaliges Jahrzehnt" begonnnen, "die Osterweiterung ist nur der nächste Schritt davon".

Vor allem Drei Argumente sieht der Nachfolger von Bruno Kreisky als österreichischer Bundeskanzler: "Die Osterweiterung ist ein gewaltiger Beitrag zur Friedenssicherung." Zweitens aber würden sich daraus "ökonomische Vorteile ergeben, die man sich heute im Konkreten noch gar nicht vorstellen kann". Und aus burgenländischer Sicht - eine Perspektive, die für Fred Sinowatz stets prägend gewesen ist, "ich bin ja auch als Kanzler täglich gependelt" - müsse er noch einmal betonen, dass damit das Land "vom Rand ins Zentrum Europas rückt".

Das multikulturelle Erbe des Burgenlandes, "der Vorteil, gewohnt zu sein an andere Kulturen", habe das Land nach dem Anschluss, "obwohl es seit damals ein Land der Dörfer ist, davor bewahrt, zur tiefen Provinz zu werden". Wenn dieses multikulturelle Erbe bewahrt wird, "diese interne Grenzsituation", dann "habe ich das Gefühl, dass die Chancen, die es hier geben wird, das Gebiet zu einer europäischen Modellregion machen können".
Lesen Sie das Interview mit Fred Sinowatz am Dienstag in unserer Verlagsbeilage "Wirtschaftsräume: Burgenland" (DER STANDARD, 7. 5. 2001)

Von Wolfgang Weisgram
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