Ein (fast) vergessener Retter von 60.000 Opfern

6. Mai 2001, 19:33
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Linz - Eine bedeutende Rolle bei der Befreiung der ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen und Gusen spielte der Schweizer Bankbeamte und Rot-Kreuz-Delegierte Louis Haefliger, der in seiner Heimat erst spät Anerkennung fand. Durch seinen Einsatz dürften 60.000 Häftlinge vor der Exekution gerettet worden sein.

In seinem Buch "Krieger ohne Waffen - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz" widmet Hans Magnus Enzensberger dem Schweizer ein eigenes Kapitel, das zum Großteil auf Tagebucheintragungen Haefligers beruht.

Der damals 41-jährige Zürcher hatte sich Ende April 1945 beurlauben lassen, um einen Rot-Kreuz-Konvoi mit Lebensmitteln nach Mauthausen zu bringen. Mit Standhaftigkeit ertrotze er vom Lagerkommandanten Franz Ziereis Einlass in das Lager. Dort lernte er einen SS-Offizier kennen, der ihm die Anweisung Himmlers verriet, die 60.000 in Mauthausen und Gusen verbliebenen Häftlinge samt den Bewohnern umliegender Dörfer in einen Stollen zu locken und in die Luft zu sprengen. Unter Überschreitung seiner Kompetenzen und höchster Lebensgefahr nahm Haefliger Kontakt mit den vorrückenden Amerikanern auf, um die Lager zu befreien und den Massenmord zu verhindern, was schließlich auch gelang. Auch nach der Befreiung blieb Haefliger zunächst noch in Mauthausen, um Medikamenten- und Nahrungsnachschub zu organisieren.

Nach dem Krieg ließ sich Haefliger als Kaufmann in Wien nieder, 1993 starb er in der slowakischen Stadt Podbrezova. Obwohl er 1950 von Österreich offiziell für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde, wurde seine Leistung jahrelang weder von der Schweiz noch vom Internationalen Roten Kreuz gewürdigt. Ihm wurden Unregelmäßigkeiten und illegale Praktiken vorgeworfen. Erst Ende der 80er-Jahre kam es zu einer Rehabilitierung und Danksagungen durch das Rote Kreuz, im vergangenen Jahr wurde in Zürich ein Haefliger-Park eingeweiht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 5. 2001, moe)

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