Holbrooke fordert Europa zu Widerstand gegen Raketenabwehr auf

7. Mai 2001, 10:48
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"Europäer dürfen nicht nur murren"

Berlin - Der frühere Balkanbeauftragte der US-Regierung unter Bill Clinton, Richard Holbrooke, hat die Europäer aufgefordert, ihre Kritik an den amerikanischen Raketenabwehr-Plänen aggressiver als bisher vorzutragen. "Sie dürfen jetzt nicht herumsitzen und im Hintergrund murren, sondern sie müssen aufstehen und sich einmischen", wird Holbrooke von der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe) zitiert. Wenn die Europäer nicht jetzt deutlich Position bezögen, "werden die Amerikaner für sie entscheiden. Dann haben die Europäer aber auch niemanden mehr, auf den sie die Schuld abschieben können."

Holbrooke, der unter Clinton (Demokraten) führender Europa-Experte der US-Regierung war, kritisierte die NMD-Pläne der neuen republikanischen Regierung scharf. Die Bush-Administration habe "einen tief verankerten Glauben an diese Raketenabwehr", sagte Holbrooke. "Für sie ist es fast eine religiöse Angelegenheit." Doch die NMD-Befürworter seien bisher die Antworten auf alle entscheidenden Fragen schuldig geblieben: "Ist es technisch überhaupt möglich, eine Kugel mit einer Kugel zu treffen? Wieviel kostet das? Macht es Europa und Asien sicherer oder nicht? Ist es machbar, ohne ein neues Wettrüsten in Gang zu setzen?" Die wahre Gefahr für die USA gehe nicht von Staaten mit Mittelstreckenraketen aus, sondern vom internationalen Terrorismus. (APA/AP)

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