Erste Staffel: Holland, Island, Bosnien, Norwegen, Israel

8. Mai 2001, 17:46
6 Postings

... zwischen Schwulst und Geträller

Von heute an stellen wir Ihnen im Verlauf der Woche die 23 TeilnehmerInnen am heurigen Song Contest vor - in 5er-Paketen, die restlichen drei dann am Freitag. Halten wir uns nicht mit langen Vorreden auf - rein in die Vollen:

1) NIEDERLANDE:

Der Bewerb 2001 beginnt mit einer schwülstigen Ballade aus dem verflossenen Millennium: Pompöse Streicherarragements erheben sich zum Kreszendo, Cellos branden gegen spanische Gitarren an - und über allem thront der nach Freiheit dürstende Gesang der 19jährigen Michelle: "I can fly over mountains, overseas ...".

Bitte sie nicht mit der zweiten Michelle im Bewerb zu verwechseln - die andere kommt aus Deutschland und ist ein Stückchen älter als die Niederländerin. (Die mit der erwachsenen Stimme ist sie freilich nicht.) Und um das Maß der Verwirrungen und Verwechslungen komplett zu machen: auch der Titel des holländischen Beitrags "Out On My Own" wird uns im Verlauf des Bewerbs wieder begegnen.

2) ISLAND:

Vom Joch des In-der-Landessprache-Singens befreit, hat sich Island vom belächelten Außenseiter, der phonetisches Harakiri betreibt, zu einer der größeren Song Contest-Nationen entwickelt (Sieg noch ausständig). TwoTricky nennt sich das Duo aus Gunnar Olason and Kriss Gislason, beide fixe Bestandteile der schwer untereinander verschwägerten - aber notorisch regen - Musikszene Islands.

Ihr Titel "Angel" erweist sich als unbeschwerter Gutelaune-Pop. "Skandinavischer Happy-Sound" hätte Song Contest-Übervater Grissemann (wir meinen den alten!) das mit Sicherheit genannt. Ist für Island eigentlich gar nicht so typisch, so stromlinienförmig zu sein.

3) BOSNIEN-HERZEGOWINA:

Nino Prses aus Sarajewo präsentierte sich bei der nationalen Vorentscheidung optisch als Mischung aus The Edge und DJ Bobo. In seiner Heimat ist er mit seiner ersten Solo-CD bereits zum Hit-Lieferanten geworden.

Sein (selbstgeschriebenes) Lied "Hano" glänzt mit den für ihn typischen Ethno-Einflüssen, mit dezenten Beats und Synthie-Geblubber. Musikalisch stellt es seine beiden Vorgänger eindeutig in den Schatten. Äußerst lobenswert auch der Umstand, dass es - zumindest zu 90 Prozent - in Landessprache gesungen wird. Was "Hano" heißt, wissen wir deswegen aber leider nicht.

4) NORWEGEN:

Ja, was haben wir denn da? Einen jungen Knödeltenor, Haldor Lægereid heißt er, vielfache Musical-Erfahrung hat er. Und der Song-Titel On My Own ist nicht das einzige, was uns hier irgendwie bekannt vorkommt. Ein paar der recycelten Textbausteine: "... way to paradise ...", "... the winding road that lead me there ..." - und dazu noch der Refrain, der einmal über die Welt kam und sie seitdem nicht mehr verlassen hat: tausendfach wiederholt, hier bis an die Grenzen der Erschöpfung hochgeschmettert.

Könnte eines Tages von Meat Loaf gecovert werden.

5) ISRAEL:

Klon-Alarm! Klon-Alarm! Also wenn Tal Sondak nicht Israels Antwort auf Tarkan sein soll, dann wollen wir künftig für den "Kurier" arbeiten.

Sein Lied "Ein Davar" (Never Mind) schafft es nach einem Beginn, der Schlimmeres erwarten ließ, immerhin noch zu etwas Schmiss und Pepp. Der Refrain klingt dann ein wenig nach Familienfeier im Stettl - was in klanglicher Summe einen hohen Song Contest-Faktor ergibt.

Die Skandal-Serie, die den orthodoxen Teil Israels in den letzten Bewerbsjahren auf Trab hielt (erst die transsexuelle Dana International, dann die Punk-Kids des Vorjahres mit ihrer Vorliebe für explicit lyrics) wird mit diesem wackeren Beitrag sicher ein Ende gefunden haben.

*

Morgen folgen die Beiträge 6 - 10: Russland, Schweden, Litauen, Lettland und Kroatien. Und wir können jetzt schon versprechen: da rauscht's im Karton!

(Josefson)

LINKS

Michelle

TwoTricky

Haldor Lægereid

Tal Sondak

(Information: Nicht alle TeilnehmerInnen verfügen über eine eigene Homepage.)
Share if you care.