Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen

6. Mai 2001, 14:37
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Rund 7.000 TeilnehmerInnen - Gegen Intoleranz mit "Augenzwinkern" - Fischer: Zweck heiligt nicht die Mittel

Linz - Rund 7.000 Teilnehmer aus zahlreichen europäischen Staaten sowie aus den USA und Kanada nahmen am Sonntag Vormittag an der Befreiungsfeier des Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich teil. Wie schon in den vergangenen Jahren waren auch heuer sehr viele Jugendliche in die Gedenkstätte gekommen.

Das Konzentrationslager Mauthausen war im Jahr 1938 von den Nationalsozialisten errichtet worden, bis zum Jahr 1945 wurden dort sowie in den 50 Nebenlagern insgesamt mehr als 200.000 Menschen unter grausamen Bedingungen inhaftiert, mehr als die Hälfte von ihnen wurden ermordet.

Seit 1947 finden jedes Jahr um den 5. Mai - dem Tag der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner - Gedenkfeiern statt. Heuer standen rund 40 Botschafter und diplomatische Vertreter an der Spitze der Delegationen, die zu Beginn der Gedenkfeier auf dem ehemaligen Appellplatz einzogen und Kränze für die Opfer niederlegten.

Vor Beginn der Gedenkfeier wurden im ehemaligen Konzentrationslager zwei neue Denkmäler eingeweiht, eines für die Opfer aus der Ukraine und ein Mahnmahl der europäischen Jugend.

Gegen Intoleranz mit "Augenzwinkern"

Sowohl Innenminister Ernst Strasser (V) als auch Nationalratspräsident Heinz Fischer (S) warnten in ihren Reden davor, Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit "mit Augenzwinkern" zu tolerieren.

Der Nationalismus sei in Europa nach wie vor sichtbar, er tauche unvermutet auf und werde manchmal mit "Augenzwinkern" konserviert, sagte Strasser. Er halte es für unerträglich, wenn bei manchem Spruch gesagt werde, man müsse ein Auge zudrücken. Den Opfern von Intoleranz und Faschismus seien an einem Ort wie Mauthausen "beide Augen zugedrückt worden", so Strasser. Fremdenfeindlichkeit sei nach wie vor nicht verschwunden, so der Innenminister, der kritisierte, dass "immer wieder versucht wird, sich durch das Schüren von Vorurteilen politisches Kleingeld zu verschaffen, mit der Angst vor den Fremden zu punkten und mit diffusen Argumenten zu kriminalisieren".

Wir alle seien es den Opfern des NS-Terrors, aber auch uns selbst schuldig, die Prinzipien einer pluralistischen Gesellschaft, der Menschenrechte und des Humanismus nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern aktiv und ständig für sie einzutreten und notfalls dafür auch mit demokratischen Mitteln zu kämpfen, sagte Strasser. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen könne, solle und müsse ein Ort des "ewigen Gedenkens sein, aber auch eine Stätte der Begegnung, um der europäischen Jugend angesichts des Grauens und der Symbolik gerade dieses Ortes die richtigen Schlussfolgerungen aus der Geschichte zu lehren und aktuelle Bezüge zu vermitteln", betonte Strasser und wies darauf hin, dass gerade derzeit gemeinsam mit Wissenschaftern und Pädagogen an einem Reformkonzept für die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen gearbeitet werde.

Fischer: Zweck heiligt nicht die Mittel

Nationalratspräsident Heinz Fischer formulierte mehrere "Lehren", die aus der Geschichte und den Verbrechen des Nationalsozialismus gezogen werden müssten. Die erste dieser Lehren müsse sein, dass die Menschenrechte als unteilbar angesehen werden. Fischer: "Rassismus, Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit sind Verstöße, die man von Anfang an konsequent und ohne Augenzwinkern und mit Festigkeit bekämpfen muss." Eine weitere Lehre sei es, dass Demokratie wie eine Pflanze gesehen werden müsse, um deren Wachstum man ständig bemüht sein müsse.

Nachdrücklich wies Fischer darauf hin, dass der Grundsatz "der Zweck heiligt die Mittel" zu den falschesten und gefährlichsten Thesen gehöre, die man in der Politik vertreten könne. Fischer: "Am Ende heiligt nicht der gute Zweck die schlechten Mittel, sondern ganz im Gegenteil, die schlechten Mittel vergiften den guten Zweck." Fischer hob weiters hervor, dass das Gedenken in Mauthausen nicht nur mit einem Blick in die Vergangenheit, sondern auch mit einem Blick in die Zukunft verbunden werden müsse.

"Wenn die Spaltung und Entzweiung der Völker Europas durch Nationalismus und Chauvinismus eine der Ursachen für Krieg und Faschismus war, dann ist die Verständigung zwischen den Völkern Europas, das Zusammenführen und Zusammenarbeiten die Gegenthese dazu", unterstrich Fischer und fügte im Hinblick auf die EU-Erweiterung hinzu: "Für mich ist das Projekt Europa eine Gegenthese zu Katastrophen der Vergangenheit." Auch wenn es Probleme auf dem Weg zur EU-Erweiterung gebe, so seien diese nicht im Entferntesten vergleichbar mit den Problemen, "die entstehen können, wenn man diese Chance versäumt und in der Sackgasse des Nationalismus landet". (APA)

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