Ivica Osim ist 60

6. Mai 2001, 15:22
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Graz - Ivica Osim ist 60. Am Samstag, nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft in Ried hatte zwar Ivica Osim noch geklagt, "warum bin ich so interessant, redet man über mich? Das stört mich langsam." Doch am Sonntag bei der Geburtstagsfeier auf dem Sturm-Trainingsgelände Graz-Messendorf hat er sich dann doch ein bisserl gefreut.

Gleich zwei Kapellen spielten auf. Der Sturm-Vorstand, an der Spitze Präsident Hannes Kartnig, Sport- Landesrat Gerhard Hirschmann und die Spieler (trainingsfrei gab's, Geburtstag hin oder her, natürlich nicht) gratulierten.

Von der Mannschaft gab's übrigens als Geschenk einen Flug für zwei Personen zum Champions League-Duell Bayern gegen Real am Mittwoch in München.

Ivica Osim ist seit 1994 Trainer von Sturm Graz. Ihn zu verstehen ist oft nicht ganz einfach, ihm zuzuhören aber immer ein Vergnügen. Und wer weiß, vielleicht kommt man ihm so auch am nächsten. Zum wiederhören (-lesen) also nun ein Vortrag aus dem vergangenen Herbst nach dem Cl-Spiel gegen Istanbul.

Also sprach Ivica Osim:

"Wunder passieren von Zeit zu Zeit, diesmal uns. Die Spieler wollten zeigen, dass sie keine Klopfer sind und Fußball spielen können. Wir haben verdient gewonnen, Galatasaray hatte keine echte Chance. Fußball ist praktisch das einzige Spiel, wo die bessere Mannschaft verlieren kann. Fußball ist sehr leicht, und alles, was leicht ist, ist auch schwer. Wir haben gezeigt, wir können rivalisieren.

Wir haben Glück, gegen solche Mannschaften schon gespielt zu haben, gegen Manchester, gegen Real, gegen Spartak Moskau. Da haben die Leute gesehen, wie man Fußball interpretieren kann. Spielerisch kann man einen von uns mit einem von denen vergleichen. Aber Fußball ist nicht Tennis, Fußball ist zehn gegen zehn. Bei uns haben manchmal nur sechs oder sieben partizipiert, das geht dann mathematisch nicht. Wenn du ständig beschäftigt bist, machst du irgendwann Fehler. Das war eine schöne Schule, eine Lektion, wie die Franzosen sagen. Vielleicht ist es gegen die großen Namen leichter geworden, von der Atmosphäre her. Ich bin kein Prophet.

Man muss sehen, was los ist. Jetzt fragen wir uns, wo wir stehen. Wir haben fünf, die sind einbeinig. Und die Spitzenteams in Europa? Puh. Das ist ein Vorteil, wenn alle zweibeinig sind. Du verlierst keine Zeit, du musst nie zittern, was los ist. Da muss man realistisch sein, das kann man nicht komparieren. Wir haben einen Eindruck davon gegeben, was wir können. Gut, Salzburg hat damals gegen Ajax und Milan remisiert. Aber Salzburg hat das Spiel destruktiv gemacht, da haben neun verteidigt. Das kann ich nicht, das will ich nicht. Da verlier' ich lieber als ich spiele 0:0. Wenn Fußball schön ist, kommen die Leute.

Aber nach so einem Spiel gibt es jetzt wieder die Gefahr, dass die Meisterschaftsspiele nicht so ernst genommen werden. Manche Spieler haben nach Feyenoord geträumt, manche haben in Glasgow geträumt, jetzt werden wieder viele träumen, auch vom Geld. Geld ist Glück und Unglück. Zu viel ist gefährlich, für zu wenig will keiner arbeiten.

Ein paar haben es im Ausland versucht, hier leben viele leichter. Aber sie verlangen nicht mehr alles von sich, sie müssen sich mehr trauen, sonst beschädigen sie den Fußball.

Auch viele Zuschauer vergessen, was täglich passiert. Alle haben zu große Erwartungen. Wenn es nicht mehr funktioniert, bin ich auch bereit zu gehen. Ich hab' lange überlegt, gehe ich ein komplettes Risiko ein, irgendwo anders, oder bleibe ich, wo mich die Leute kennen? Vielleicht kann ich hier ein bisschen Geduld erwarten, das ist heute nicht selbstverständlich, alle wollen gleich Resultate. Das Resultat deckt in Österreich alles zu. Niemand will Verlierer. Das ist alles, was man sagen kann. Aber die Journalisten schreiben sowieso, was sie wollen."

Also hörte Fritz Neumann zu.

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